Berlin und Paris wollen EU-Initiative für Ende von Kükentöten

13.01.2020 17:42

Tierschützer fordern schon seit längerem deutlich mehr Tempo, um das
millionenfache Töten von Küken kurz nach dem Schlüpfen zu beenden.
Können zwei wichtige Agrarländer in Europa gemeinsam Druck machen?

Berlin (dpa) - Deutschland und Frankreich wollen sich auch auf
EU-Ebene für einen Ausstieg aus dem umstrittenen Massentöten
männlicher Küken stark machen. Dies solle unter anderem in der
deutschen EU-Ratspräsidentschaft ab Juli vorangebracht werden, sagte
Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) am Montag in Berlin am
Rande einer Fachkonferenz mit ihrem Amtskollegen Didier Guillaume.
Beide Länder haben bereits als gemeinsames Ziel genannt, bis Ende
2021 aus der Praxis auszusteigen. Klöckner sagte, dafür sollten
Zwischenetappen festgelegt werden, die auch zu überprüfen seien.

In Deutschland ist das Kükentöten in der Legehennenzucht nur noch für

eine Übergangszeit zulässig, wie das Bundesverwaltungsgericht 2019
entschieden hatte. Die Praxis darf aber vorerst weitergehen, bis den
Brutbetrieben praxisreife Verfahren zur Geschlechtsbestimmung schon
im Ei zur Verfügung stehen. Männliche Küken schlüpfen dann gar nich
t
erst. Bisher werden allein in Deutschland jährlich rund 45 Millionen
männliche Küken getötet, da sie keine Eier legen und nicht so viel
Fleisch ansetzen.

Der Tierschutzbund kritisierte das nun angestrebte Ausstiegsdatum. Im
Koalitionsvertrag stehe, dass das Töten bereits bis zur Mitte der
Legislaturperiode beendet werde - das wäre Oktober 2019 gewesen. Der
FDP-Agrarpolitiker Gero Hocker sagte, wenn das Kükentöten beendet
werden solle, brauche es eine echte Marktreife der Früherkennung im
Ei durch Forschung und Innovation in Verbindung mit einem mindestens
EU-weiten Verbot des Kükentötens.

Klöckner verteidigte das Vorgehen. Es gehe darum, den Ausstieg
hinzubekommen, aber auch Brütereien in Deutschland zu halten. Es
würde dem Tierschutz wenig helfen, wenn Eier aus anderen Ländern
bezogen würden, die sich nicht darum kümmerten. Insofern gehe es um
«Gründlichkeit vor Schnelligkeit». Alternative Methoden müssten auc
h
flächendeckend zur Verfügung stehen. Die Geflügelwirtschaft erklärt
e:
«Ein Ausstieg bis 2021/22 könnte unter größter Kraftanstrengung
machbar sein, wenn sich alle Partner entlang der Erzeugungskette und
die Politik zu einem gemeinsamen Weg bekennen.»



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