Arme Länder exportieren dank Vorzugszöllen mehr in die EU denn je

10.02.2020 15:40

Brüssel (dpa) - 71 Entwicklungsländer haben 2018 dank besonderer
Vorzugszölle mehr Waren in die Europäische Union geliefert als je
zuvor. Der Wert ihrer Exporte erreichte nach Angaben der
EU-Kommission vom Montag insgesamt 183,6 Milliarden Euro. Davon
entfielen einem neuen EU-Bericht zufolge 68,9 Milliarden Euro auf
Waren, für die im Rahmen des Allgemeinen Präferenzsystems der EU
(APS) niedrigere Zölle gelten - das war ein Höchststand.

Die EU achtet bei den APS-begünstigten Ländern nach eigenen Angaben
darauf, dass sie Fortschritte bei Menschen- und Arbeitnehmerrechten
machen. Zu Kambodscha habe die EU ein Verfahren zur vorübergehenden
Rücknahme der Präferenzen eingeleitet, weil das Land schwerwiegend
und systematisch gegen wesentliche Übereinkommen der UNO und der
Internationalen Arbeitsorganisation verstoßen habe.

Größter Nutznießer der Vorzugszölle ist Bangladesch, das unter den

APS-Regeln Waren im Wert von 16,8 Milliarden Euro in die EU lieferte.
Das entsprach 96,4 Prozent aller Exporte des Landes in die EU. Auf
Platz zwei folgte Indien mit APS-gestützten Exporten im Wert von 16,4
Milliarden Euro, was aber nur 37,6 Prozent aller indischen Ausfuhren
in die EU entsprach.

Wichtigster Exportartikel der APS-Länder war dem Bericht zufolge
Kleidung, die 33 Milliarden Euro oder 47,9 Prozent der entsprechenden
Lieferungen ausmachte. Es folgten Schuhe (11 Prozent), mechanische
Geräte (7 Prozent), Fisch (4 Prozent) und Leder (3,7 Prozent).

«Dank unseres Handelspräferenzsystems importiert die EU doppelt so
viel aus den am wenigsten entwickelten Ländern wie der Rest der
Welt», sagte EU-Handelskommissar Phil Hogan. Damit unterstütze die EU
Millionen von Arbeitsplätzen in den ärmsten Ländern und schaffe einen

Anreiz, internationale Übereinkommen über Arbeitnehmerrechte,
Menschenrechte, gute Staatsführung und Umweltschutz umzusetzen.



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