Stahlarbeiter dringen auf EU-Hilfe für klimaneutrale Produktion

10.02.2020 16:07

Stahl wird mit Kokskohle erzeugt, was enorme Mengen klimaschädlicher
Abgase erzeugt. Deutsche Stahlarbeiter würden das gern ändern - und
suchen dafür Unterstützung in Brüssel.

Brüssel (dpa) - Gewerkschafter der IG Metall haben in Brüssel
EU-Hilfen für eine klimaneutrale Stahlproduktion gefordert. Wenn man
das Eisenerz in der Stahlerzeugung mit Wasserstoff aus erneuerbaren
Energien statt mit Kokskohle erhitzen würde, ließen sich 95 Prozent
des Kohlendioxidausstoßes einsparen, sagte Heiko Reese vom Stahlbüro
der Gewerkschaft am Montag. Die EU solle im Rahmen ihres sogenannten
Green Deal «auf jeden Fall» bei Forschung und Investitionen helfen,
diese Technik in großem Stil einzuführen.

«Für eine klimaneutrale Stahlproduktion sind Investitionen nötig, die

die Stahlindustrie allein nicht stemmen kann», sagte Reese. Man
spreche von 30 Milliarden Euro allein in Deutschland. Damit lasse
sich aber viel erreichen, weil die Stahlwerke rund 30 Prozent aller
CO2-Emissionen der deutschen Industrie ausstießen. Nötig sei auch
entsprechende Infrastruktur, um Strom oder Wasserstoff zu den
Stahlstandorten zu transportieren.

Die Gewerkschafter drangen auf Tempo bei den EU-Vorgaben. «In ein bis
anderthalb Jahren müssen konkrete Politikinstrumente auf dem Tisch
liegen», sagte Reese der Deutschen Presse-Agentur nach einem Gespräch
mit dem Kommissionsvizepräsidenten Frans Timmermans. Timmermans
stimmte dem zu: «Es ist klar, dass wir keine Zeit zu verlieren haben,
um in saubere Lösungen für die Stahlbranche zu investieren, um eine
weltweit führende Rolle zu übernehmen.» Die Herausforderung sollte zu

einer Chance für Europa werden, ohne dass jemand zurückgelassen
werde, ließ Timmermans nach dem Treffen mitteilen.

IG-Metaller aus dem Saarland waren in Etappen zu Fuß die rund 350
Kilometer von Völklingen nach Brüssel marschiert, um Timmermans ihre
Forderungen zu überreichen. Eine geplante Demonstration von
Stahlkochern war wegen des stürmischen Wetters kurzfristig abgesagt
worden, sagte Reese. Dennoch seien rund 70 Metaller nach Brüssel
gereist, um ihren Forderungen vorzutragen.



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