Studie: EU kann Klimaziele mit Sektorkopplung übertreffen

11.02.2020 06:01

Hamburg (dpa) - Durch die Elektrifizierung der gesamten Wirtschaft
lassen sich nach einer Studie die mittelfristigen Klimaziele der EU
nicht nur erreichen, sondern übertreffen. Bis 2030 könnten die
CO2-Emissionen um 63 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 zurückgeführt
werden, gegenüber bislang angestrebten 40 Prozent, heißt es in der
aktuellen Studie des Research-Unternehmens BloombergNEF, des
Energiemanagementunternehmens Eaton und des Erzeugers Statkraft. Bis
2050 lasse sich diese Einsparung auf 83 Prozent ausbauen. Das wäre
ein substanzieller Fortschritt auf dem Weg zu einem klimaneutralen
Kontinent bis 2050.

Die sogenannte Sektorkopplung bedeutet, dass die Energieversorgung
von Industrie, Gebäuden und Verkehr direkt auf Strom oder auf
elektrisch erzeugtem Wasserstoff und synthetischen Kraftstoffen
beruht. Nach der Studie würden diese drei Sektoren im Jahr 2050 rund
60 Prozent ihrer Energie direkt oder indirekt aus Strom beziehen,
gegenüber heute 10 Prozent. Der Anteil der fossilen Energien würde
von fast 80 auf 23 Prozent zurückgehen. Doch auch dann könnten
Transport, Gebäude und Verkehr nicht komplett auf fossile Energien
verzichten. Vor allem in Industriebranchen, die mit sehr hohen
Temperaturen arbeiten wie die Eisen-, Stahl- und Zementindustrie,
seien fossile Energieträger schwer zu ersetzen.

Der Energiesektor selbst könnte sich nach der Studie wegen der hohen
Nachfrage nach Strom bis 2050 mehr als verdoppeln. Dazu würden nicht
nur doppelt so viele Wind- und Solaranlagen gebraucht, sondern auch
mehr fossil betriebene Kraftwerke, um die notwendige Flexibilität im
System zu gewährleisten. Durch die Sektorkopplung könnten auch neue
Synergien gehoben werden und das gesamte Energiesystem würde
flexibler und emissionsärmer. Zu den möglichen Kosten gibt die Studie
keine Auskunft.



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