Brexit: Von der Leyen mokiert sich über «Australisches Modell»

11.02.2020 10:17

Straßburg (dpa) - EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen
drängt Großbritannien zu einer engeren Partnerschaft mit der
Europäischen Union als zuletzt angekündigt. Sie sei überrascht über

das von Premierminister Boris Johnson erwähnte «Australische Modell»

für die künftigen Beziehungen zur EU, sagte von der Leyen am Dienstag
im Europaparlament in Straßburg. Denn mit Australien habe die EU noch
nicht einmal ein Freihandelsabkommen.

«Wenn das der britische Wunsch ist, soll uns das Recht sein», sagte
sie. «Natürlich kann sich das Vereinigte Königreich mit weniger
zufrieden geben. Aber ich persönlich glaube, dass wir sehr viel
ehrgeiziger sein sollten.»

Von der Leyen wiederholte, dass die EU Großbritannien ein
Freihandelsabkommen völlig ohne Zölle und Mengenbegrenzungen anbiete
und damit mehr als jedem anderen Handelspartner in der Welt. Doch
bekräftigte sie auch die Forderung nach fairen
Wettbewerbsbedingungen.

Johnsons Ankündigungen seien dafür ein guter Ausgangspunkt, denn der
britische Regierungschef habe sich unter anderem zu hohen Sozial- und
Umweltstandards bekannt. Genau das wolle die EU auch. «Lassen Sie uns
das formal vereinbaren, dann können wir einen dynamischen
Aufwärts-Wettbewerb auslösen, von dem sowohl das Vereinigte
Königreich als auch die Europäische Union profitieren.»

Großbritannien hatte die EU am 31. Januar um Mitternacht verlassen.
Bis Ende des Jahres gilt eine Übergangsfrist, in der sich im Alltag
zunächst kaum etwas ändert. In dieser Zeit soll ein
Partnerschaftsabkommen vereinbart und ratifiziert werden. Gelingt
dies nicht, drohen erhebliche Schwierigkeiten bei Handel, Reisen,
Datenaustausch, Verbrechensbekämpfung und vielen anderen Themen.



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