Covid-19: Reisende könnten nach Infektionsrisiken befragt werden

13.02.2020 16:49

Europa ist bisher nur wenig von der Covid-19-Epidemie betroffen. Doch
die EU-Länder wollen sich trotzdem schon jetzt gemeinsam besser
wappnen. Ein Punkt war Deutschland besonders wichtig.

Brüssel (dpa) - Passagiere aus Gebieten mit dem Coronavirus
Sars-CoV-2 könnten bei der Einreise nach Europa demnächst nach
möglichen Infektionsrisiken befragt werden. Die EU-Staaten haben sich
auf diese Option geeinigt und Deutschland werde sie nun prüfen, sagte
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Donnerstag in Brüssel.
Der Punkt sei ihm besonders wichtig gewesen.

Erfragt werden könnten Kontakte zu Bürgern aus einer von der
Covid-19-Epidemie betroffenen Region, etwa der chinesischen Provinz
Hubei, sagte Spahn. Es gehe vor allem um schnelle Identifizierung im
Falle einer Infektion, auch der Sitznachbarn im Flugzeug. Schon jetzt
gelte in Deutschland die Anordnung, dass Kontaktdaten von Reisenden
für 30 Tage hinterlegt werden müssen.

Einig waren sich die EU-Gesundheitsminister nach Spahns Worten auch
darin, zusätzliche Gelder für die Forschung bereitzustellen. Zudem
habe man über mögliche Lieferengpässe bei Arzneien gesprochen, die
sich aus Produktionsausfällen in China ergeben könnten.

Der CDU-Politiker hatte schon vor dem Sondertreffen mit seinen
Kollegen gewarnt, dass Medikamente mit Wirkstoffen aus China in den
nächsten Wochen knapp werden könnten. Die EU-Kommission wurde nun mit
einer Einschätzung der Lage beauftragt. Auf lange Sicht brauche man
wieder mehr Produktionskapazitäten in Europa, sagte Spahn.

Das Gesundheitsministertreffen in Brüssel war kurzfristig einberufen
worden, um den Kampf der 27 EU-Staaten gegen das neuartige
Coronavirus zu koordinieren. Bisher gibt es in Europa nur wenige
Fälle - in Deutschland sind es 16. Es sei bisher gelungen, die Lage
gut unter Kontrolle zu halten, sagte Spahn. Doch will man für eine
etwaige Ausbreitung gewappnet sein und eine einheitliche Linie
finden.

Die EU-Staaten beschlossen dafür einige gemeinsamer Eckpunkte. So
sollen an allen Einreisepunkten der EU Informationen für Menschen
bereitgehalten werden, die einem besonderen Infektionsrisiko
ausgesetzt waren. Zudem soll genügend Kapazität zur Versorgung von
Patienten vorgehalten werden. Man will gemeinsam die Erforschung des
Virus voranbringen, über dessen Eigenschaften immer noch recht wenig
bekannt ist. Und man will bei der Entwicklung eines Pilot-Impfstoffs
an einem Strang ziehen.



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