«Wir halten zusammen» - Deutschland behandelt EU-Ausländer

24.03.2020 15:34

In Teilen Frankreichs und Italiens wütet das neuartige Corona-Virus
besonders schlimm. Weil es an Behandlungsmöglichkeiten für
Intensivpatienten fehlt, helfen deutsche Kliniken aus -
vorausgesetzt, sie haben Platz.

Berlin (dpa) - Deutschland unterstützt seine EU-Partner Italien und
Frankreich bei der Behandlung schwerkranker Corona-Patienten. Mehrere
Bundesländer haben schon ausländische Notfallpatienten aufgenommen,
die beatmet werden müssen - zuhause sind die Intensivstationen der
Krankenhäuser mancherorts wegen der Pandemie völlig überlastet. Was
fehlt: Betten mit Beatmungsgeräten, Material und Personal.

Bayern wolle einige schwerkranke Italiener zur Behandlung aufnehmen,
gab Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Dienstag bekannt. «Wir
wollen auch da ein Signal der Humanität setzen.» Nordrhein-Westfalens
Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sagte die Aufnahme von zehn
Patienten aus dem besonders leidenden Norditalien zu. «Wir wollen
signalisieren: Ihr seid nicht allein.»

Die beiden bevölkerungsreichsten Bundesländer folgen damit Beispielen
aus Baden-Württemberg, Sachsen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland.
Dort sind bereits erste Corona-Notfälle aus dem Ausland in Kliniken
untergebracht.

In Baden-Württemberg hatten sich am Wochenende vier
Universitätskliniken in Freiburg, Heidelberg, Mannheim und Ulm bereit
erklärt, Patienten aus Frankreich aufzunehmen, die dringend auf
Beatmung angewiesen sind. Die Krankenhäuser im Südwesten wurden
gebeten, freie Beatmungsbetten zu melden. Die Kliniken sollten aber
nicht selbst in Not geraten, sagte ein Regierungssprecher. «In einer
Krise ist Solidarität gefragt - aber im Rahmen des Möglichen.»

Die Asklepios-Südpfalzklinik in Kandel in Rheinland-Pfalz nahm zwei
Patienten aus dem elsässischen Straßburg auf. Der private
Klinikbetreiber erklärte sich bereit, auch andernorts
Corona-Patienten aus dem europäischen Ausland zu behandeln. Im
Universitätsklinikum des Saarlands werden fünf Notfallpatienten aus
der ostfranzösischen Region Grand Est behandelt.

In Sachsen werden nach Angaben von Sozialministerin Petra Köpping
(SPD) acht Patienten aus Italien behandelt. Außenminister Heiko Maas
(SPD) twitterte nach der Aufnahme von zwei Kranken aus Bergamo in
Leipzig: «Gute Genesung! Wir halten zusammen.» Zuvor hatte sich
Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron für die Unterstützung anderer
Länder bedankt. «Vielen Dank an unsere europäischen Nachbarn»,
schrieb Macron auf Twitter. «Europäische Solidarität rettet Leben.»



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