Gesunde Lebensmittel, mehr Artenschutz: Neue Pläne zum «Green Deal»

20.05.2020 05:00

Seit Wochen dreht sich alles ums Coronavirus - auch in der EU. Heute
besinnt sich die EU-Kommission auf ihr ursprüngliches Topthema
Umwelt- und Klimaschutz. Für Verbraucher könnte sich einiges ändern.


Brüssel (dpa) - Ein Nährwertlogo auf Lebensmitteln, weniger Pestizide
auf dem Acker, mehr Schutz für die bedrängte Natur: Europa soll nach
dem Willen der EU-Kommission zum weltweiten Vorreiter für nachhaltige
Ernährung und biologische Vielfalt werden. Am Mittwoch (12.00 Uhr)
legt die Behörde ihre Pläne als Teil des europäischen «Green Deal
»
für ein klimaneutrales Europa bis 2050 vor. Sie dürften sich auf die
Ernährung von Millionen Verbrauchern auswirken.

Der Kampf gegen den Klimawandel ist für die EU-Kommission unter
Präsidentin Ursula von der Leyen Topthema, stand aber zuletzt im
Schatten der Corona-Krise. Deshalb verzögerte sich auch die
Vorstellung der beiden Strategien, die später in Gesetzesvorschläge
gegossen werden sollen.

Konkret geht es am Mittwoch neben einer Strategie zur Stärkung des
Artenschutzes um die «Vom Hof auf den Teller»-Strategie für eine
umweltfreundlichere Produktion von Lebensmitteln. Ziel ist, weniger
Pestizide, Antibiotika und Düngemittel einzusetzen, Tierschutz zu
verbessern und Fischerei nachhaltiger zu gestalten, wie aus einem
Entwurf hervorgeht, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Ebenso
sollen die Menge weggeworfener Lebensmittel und der Verpackungsmüll
reduziert werden.

Um Verbrauchern die Wahl im Supermarkt zu erleichtern, will die
EU-Kommission zudem ein verpflichtendes Nährwertlogo für Lebensmittel
vorschlagen. Man wolle die Menschen dazu befähigen, eine gesunde und
nachhaltige Wahl zu treffen, heißt es in dem Entwurf. Deutschland
führt ein solches Nährwertlogo bereits ein - allerdings auf
freiwilliger Basis der Hersteller. Die neuen Regeln sollen noch in
diesem Jahr in Kraft treten. Es geht um eine freiwillige Verwendung
des Logos auf der Vorderseite von Fertigprodukten.

Die zweite Strategie soll die Artenvielfalt sichern, die in den
vergangenen Jahrzehnten drastisch abgenommen hat. Zentraler Punkt des
Biodiversitäts-Plans ist die Ausweitung von Schutzgebieten: 30
Prozent der europäischen Land- und Meeresfläche sollen unter Schutz
gestellt werden, zehn Prozent sogar unter besonders strengen Auflagen
quasi naturbelassen bleiben, wie nach dpa-Informationen aus einem
Entwurf hervorgeht. Zudem wird das Ziel gesetzt, bis 2030 drei
Milliarden neue Bäume zu pflanzen.

Die Grünen-Europapolitikerin Anna Deparnay-Grunenberg lobte im
Gespräch mit dpa ausdrücklich, dass die EU-Kommission trotz der
Corona-Krise den «Green Deal» vorantreibt. Allerdings kritisierte
sie, dass die Strategie an verschiedenen Punkten auf Druck von
Lobbyisten verwässert worden sei. Zehn Prozent des Landes als
Rückzugsorte und «biologisches Reservoir» für die Artenvielfalt zu

sichern, sei zwar ein starkes Signal, reiche aber nicht aus.

Letztlich brauche man auch einen neuen Ansatz in der
Landwirtschaftspolitik: «Wir werden weder die «Vom Hof auf den
Teller»-Strategie noch die Biodiversitätsstrategie hinkriegen, wenn
wir nicht an die Gemeinsame Agrarpolitik rangehen», sagte die
Europaabgeordnete. Die EU-Staaten beraten seit Jahren über eine
Agrarreform, kommen aber kaum voran.

Der «Green Deal» zielt darauf ab, die Europäische Union bis 2050
«klimaneutral» zu machen. Das heißt, ab dann sollen keine neuen
Treibhausgase in die Atmosphäre geblasen werden. Was nicht eingespart
werden kann, muss gespeichert werden. Landwirtschaft trägt vor allem
in der Viehzucht erhebliche Mengen Klimagase bei. Andererseits kann
Aufforstung große Mengen Kohlendioxid binden.



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