EU und Großbritannien überziehen sich mit Vorwürfen

20.05.2020 18:28

Brüssel/London (dpa) - Nach den jüngsten erfolglosen Gesprächen übe
r
die Beziehungen nach dem Brexit überziehen sich die Europäische Union
und Großbritannien mit Vorwürfen. EU-Unterhändler Michel Barnier
reagierte am Mittwoch gereizt auf einen offenen Brief seines
britischen Kollegen David Frost, der sich über die Brüsseler
Verhandlungslinie beklagt hatte. Barnier hielt dagegen und schrieb an
Frost: «Ich möchte nicht, dass der Ton, den Sie angeschlagen haben,
das gegenseitige Vertrauen und die konstruktive Atmosphäre
beeinträchtigt, die zwischen uns unerlässlich ist.»

Beide Seiten hatten sich vorige Woche erneut ohne erkennbaren
Fortschritt getrennt. Anfang Juni steht nun die vorerst letzte
vereinbarte Verhandlungsrunde über ein Handelsabkommen an. Barnier
betonte: «Die nächste Runde muss nun diese neue Dynamik bringen, um
eine Hängepartie zu vermeiden.»

Frost hatte in seinem am Dienstag veröffentlichen Brief beklagt, das
die EU Großbritannien ein weniger ambitioniertes Handelsabkommen
biete als anderen internationalen Partnern, dafür aber viel strengere
Bedingungen verlange. «Ich hoffe, dass die EU in den nächsten Wochen
noch einmal über ihre Vorschläge nachdenkt, damit wir einen raschen
und konstruktiven Weg finden», schrieb Frost.

Großbritannien hatte die EU Ende Januar verlassen. Bis Ende 2020 gilt
eine Übergangsfrist, so dass sich im Alltag noch nichts verändert
hat. Gelingt in dieser Frist keine Einigung, droht ein harter
wirtschaftlicher Bruch. Bereits im Juni müsste entschieden werden, ob
die Verhandlungsfrist verlängert wird. Die EU wäre dafür,
Großbritannien ist jedoch strikt dagegen.



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