Sommerurlaub im Ausland rückt näher - Fortschritte bei Beratungen

21.05.2020 13:46

Die Hoffnung auf Grenzöffnungen für den Sommerurlaub wächst von Tag
zu Tag. Doch die Reiselust hält sich bei vielen Deutschen noch in
Grenzen. Wer eine Pauschalreise gebucht hat, die wegen Corona bereits
geplatzt ist, der kann sein Geld zurückfordern.

Berlin (dpa) - Bei den Beratungen innerhalb der Europäischen Union
zum Abbau der Reisebeschränkungen vor den Sommerferien gibt es erste
Fortschritte. Außenminister Heiko Maas (SPD) zeigte sich am Mittwoch
nach Videokonferenzen mit den Nachbar- und Urlaubsländern der
Deutschen zuversichtlich, dass die weltweite Reisewarnung nach dem
14. Juni zumindest für die Europäische Union aufgehoben werden kann.
In den ersten beiden Beratungsrunden sei man diesem Ziel «ein gutes
Stück näher gekommen».

Maas hatte am Montag mit seinen Amtskollegen aus zehn der
beliebtesten Urlaubsländer der Deutschen und am Mittwoch mit den
Außenministern der neun Nachbarländer beraten. Beide Videokonferenzen
dienten dazu, die Aufhebung von Grenzkontrollen wegen der
Corona-Pandemie und die Lockerung von Quarantänemaßnahmen mit Blick
auf den Sommerurlaub vorzubereiten. Außerdem ging es darum, wie der
Schutz der Urlauber vor einer Infektion gewährleistet werden kann.

«Wir wollen auch in diesem Jahr der Corona-Krise einen europäischen
Sommerurlaub möglich machen - aber unter verantwortbaren Umständen»,

sagte Maas. Er betonte erneut, dass die Sicherheit dabei im
Vordergrund stehen müsse und nicht der Profit: «Klar ist: Wir wollen
kein europäisches Wettbieten um Touristen.»

Auch die EU-Tourismusminister berieten am Mittwoch über den
Sommerurlaub. Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas
Bareiß (CDU), sagte, er sehe «gute Chancen, dass die Menschen im
Sommer in ihre liebsten europäischen Urlaubsregionen» reisen könnten.


Der kroatische Tourismusminister Gari Cappelli machte deutlich, dass
er eher von Vereinbarungen zwischen einzelnen Ländern als von einer
Lösung für die gesamte EU ausgehe. Wann immer die Virus-Situation in
zwei Ländern miteinander vergleichbar sei, sollten zwischen diesen
Ländern Absprachen getroffen werden, sagte er. Einige Länder hätten
in den Gesprächen deutlich gemacht, dass sie auf striktere Maßnahmen
bei der Ein- oder Ausreise - etwa medizinische Tests - von Touristen
bestünden. Andere seien für einen «entspannteren Ansatz». Dies hä
nge
von der epidemiologischen Lage in den jeweiligen Ländern ab.

Die Bundesregierung strebt ein koordiniertes Vorgehen in der EU an.
Ausgerechnet das besonders stark von der Corona-Pandemie betroffene
Italien prescht aber jetzt schon vor und will seine Flughäfen ab dem
3. Juni wieder öffnen. Dann soll es auch keine Quarantäne mehr für
EU-Bürger geben.

Die italienische Region Venetien mit der Unesco-Stadt Venedig wirbt
bereits offensiv um deutsche Urlauber. «Wir sind geöffnet, wir sind
die Region, die sofort wieder die Strände geöffnet hat», sagte
Regionalpräsident Luca Zaia am Mittwoch vor Auslandsjournalisten in
Rom. «Wir sind bereit, Menschen aus aller Welt zu empfangen.»
Venetien sei für Deutsche und Österreicher wie «ein Zuhause». Viele

Menschen in der Region würden auch Deutsch sprechen. Er garantiere
allen Reisenden einen «Covid-freien» Urlaub, weil das
Gesundheitssystem der Region exzellent sei. «Ich bin optimistisch,
was die Sommersaison angeht.»

In der norditalienischen Region war im Februar einer der beiden
ersten Corona-Ausbrüche in Italien bekanntgeworden. Im Gegensatz zur
Lombardei bekam Venetien die Krise allerdings besser in den Griff,
auch weil viel getestet wurde. Die Region zählt insgesamt rund 19 000
Infektionen und 1800 Tote. Italien will ab dem 3. Juni die Grenzen
für Besucher aus dem Ausland wieder öffnen.

Die Reiselust der Deutschen lässt allerdings noch zu wünschen übrig.

Nach einer Umfrage von infratest dimap im Auftrag der Sendung «ARD
Extra» will die Hälfte derjenigen, die sich über ihre Reisepläne
bereits im Klaren sind, im Sommer zu Hause zu bleiben. Im vergangenen
Jahr hat nur jeder Vierte aus dieser Personengruppe keine
Urlaubsreise gemacht.

Für all jene, deren Pauschalreise wegen Corona bereits geplatzt ist,
gibt es unterdessen gute Nachrichten: Sie sollen ihr Geld
zurückverlangen können. Eine zunächst von der Bundesregierung
geplante Gutschein-Lösung soll es nur noch als freiwillige
Möglichkeit für Verbraucher geben. Das hat das Bundeskabinett am
Mittwoch in Berlin beschlossen. Bundesjustizministerin Christine
Lambrecht (SPD) appellierte allerdings an Betroffene, einen Gutschein
zu akzeptieren: «Wer sich für einen Gutschein entscheidet, leistet
auch einen wichtigen Beitrag dazu, die Vielfalt der Angebote und
Dienstleistungen im Reisesektor zu erhalten.»

Der Reiseverband DRV sprach von einer «Scheinlösung», die die
Probleme der Branche nicht löse. Die Grünen im Bundestag mahnten
Unterstützung für die Reisebranche an und der stellvertretende
Vorsitzende der Unionsfraktion, Thorsten Frei (CDU), sagte,
Insolvenzen müssten so weit wie möglich vermieden werden.

Die ursprünglichen Berliner Pläne waren am Widerstand der Brüsseler
EU-Kommission gescheitert, weil europäisches Reiserecht für derartige
Fälle einen Anspruch auf Erstattung vorsieht. Mit einer
verpflichtenden Gutschein-Lösung wollte die Regierung
Reiseveranstalter und Reisebüros vor Insolvenzen schützen.



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