) Trump erwägt G7-Gipfel doch als reales Treffen - nicht per Video

21.05.2020 14:41

Weltweit wurden Großveranstaltungen wegen der Corona-Krise abgesagt
und teils durch Videoschalten ersetzt. Das war auch für den G7-Gipfel
in den USA geplant. Nun bringt Präsident Trump plötzlich eine
Planänderung ins Spiel. Aber ginge das überhaupt?

Washington/Berlin (dpa) - US-Präsident Donald Trump erwägt, den
diesjährigen G7-Gipfel nun doch als reales Treffen und nicht per
Video abzuhalten. Trump schrieb am Mittwoch auf Twitter, da sich das
Land von der Corona-Krise erhole, denke er darüber nach, die
Zusammenkunft am ursprünglich geplanten Termin oder an einem
«ähnlichen Datum» in Camp David, dem Landsitz des US-Präsidenten, z
u
veranstalten. Dies wäre ein großartiges Signal der Normalisierung,
erklärte er. Die anderen Länder starteten auch bereits ihr Comeback,
schrieb Trump weiter. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich
betont zurückhaltend zu dem überraschenden Vorstoß aus dem Weißen
Haus.

Die US-Regierung hatte im März das für Mitte Juni in den USA geplante
Gipfeltreffen der sieben führenden Wirtschaftsnationen wegen der
Coronavirus-Pandemie abgesagt und stattdessen eine Videokonferenz
angesetzt. Der Gipfel hätte den ursprünglichen Plänen nach vom 10.
bis 12. Juni in Camp David stattfinden sollen. Was genau nun aus der
Zusammenkunft wird, ist nach Trumps Tweet offen.

Der US-Präsident ist 2020 Gastgeber des G7-Gipfels und konnte damit
den Ort auswählen. Zu der «Gruppe der Sieben» gehören neben den USA

Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada und Japan.
Wie am Abend aus Kreisen des Pariser Élyséepalastes verlautete, ist
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron willens, nach Camp David zu
reisen, falls die Gesundheitsbedingungen es erlaubten. In den Kreisen
wurde die «Bedeutung der G7 bei der Antwort auf die Krise»
hervorgehoben. Auch Kanadas Premier Justin Trudeau zeigte sich offen
für eine Diskussion über ein persönliches Treffen in den USA.
EU-Ratschef Charles Michel würde einer Einladung Trumps folgen, falls
die Gesundheitsbedingungen es zuließen, wie ein Sprecher sagte.

Merkel ließ offen, ob sie einer Einladung Trumps zu einem realen
G7-Treffen in wenigen Wochen folgen würde. In welcher Form auch immer
dieses Treffen stattfinde, «ob als Videokonferenz oder anders, ich
werde auf jeden Fall für den Multilateralismus kämpfen. Das ist ganz
klar. Sowohl bei G7 als auch bei G20», sagte Merkel am Mittwoch in
Berlin.

Auf die Nachfrage, ob sie bei einer Einladung Trumps zu einem Treffen
der G7 in die USA reisen würde, entgegnete Merkel: «Ich wollte das
sagen, was ich gesagt habe. Das Weitere warten wir einfach mal ab.
Ich habe meine Worte mit Bedacht gewählt.»

Nach Angaben des Weißen Hauses brachte Trump das Thema am Mittwoch
auch in einem Telefonat mit dem französischen Präsidenten Emmanuel
Macron auf. Trump habe deutlich gemacht, dass er sich auf eine
baldige Zusammenkunft der G7 freue, hieß es.

Trump versucht seit Wochen, in der Corona-Pandemie Zuversicht zu
versprühen, und stellt seit längerem eine schnelle Erholung des
Landes von der Krise in Aussicht. Die USA sind von der
Corona-Pandemie schwer getroffen - in absoluten Zahlen sogar weltweit
am stärksten, mit mehr als 1,5 Millionen bekannten Infektionen und
mehr als 92 000 Toten.

Infolge der rasanten Ausbreitung des Pandemie hatten die meisten
US-Bundesstaaten strikte Ausgangsbeschränkungen verhängt. Das
öffentliche Leben kam so in weiten Teilen zum Erliegen und stürzte
die Wirtschaft des Landes in eine schwere Krise. Inzwischen haben die
US-Bundesstaaten diverse Lockerungen der Corona-Beschränkungen auf
den Weg gebracht. Experten zufolge ist die Krise in den Vereinigten
Staaten aber keineswegs überstanden. Auch europäische Länder sind
trotz erster Lockerungen noch weit von einer kompletten Rückkehr zur
Normalität entfernt.

Bislang gelten außerdem strenge Reisebeschränkungen zwischen den USA
und Europa, was zusätzliche Fragen zur Machbarkeit eines baldigen
persönlichen Gipfeltreffens aufwirft. Angesichts der schwerwiegenden
Auswirkungen der Pandemie in mehreren europäischen Staaten hatte
Trump Mitte März einen Einreisestopp für Ausländer aus dem
Schengenraum, Großbritannien und Irland verhängt. Die Europäische
Union hatte Mitte März ihrerseits ebenfalls Einreisebeschränkungen
für Bürger der allermeisten Nicht-EU-Staaten eingeführt, um die
Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen.

Ohnehin sind Gipfeltreffen wie der G7 ein gewaltiger logistischer
Kraftakt. Ob es möglich wäre, in so kurzer Zeit nun doch eine
persönliche Zusammenkunft großer Delegationen aus den G7-Staaten auf
die Beine zu stellen, ist fraglich.



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