WHO-Chef: USA haben Zusammenarbeit formal noch nicht beendet

26.06.2020 16:44

Straßburg/Genf (dpa) - Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat nach
eigenen Angaben bisher von den USA kein offizielles Schreiben zur
Beendigung der Zusammenarbeit erhalten. Die Entscheidung sei zwar
angekündigt, ein formales Schreiben sei aber noch nicht eingetroffen,
sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Freitag bei einer
Videositzung mit einem Gremium des Europarats. Er nannte den
geplanten Schritt Washingtons bedauerlich.

Tedros sagte, es wäre - wenn überhaupt - besser, wenn die USA eine
unabhängige Evaluierung der WHO-Reaktion auf die Coronavirus-Pandemie
abwarteten. So könnte Washington in der Bewertung seine Meinung zur
Arbeit der Organisation abgeben und sich an Reformen beteiligen.

Die WHO war in der Coronakrise unter starken Druck der USA geraten.
US-Präsident Donald Trump hatte ihr vorgeworfen, zu spät über die
Gefahr informiert zu haben und von China beeinflusst zu werden. Die
USA haben die Zusammenarbeit mit der WHO jüngst beendet und wollen
ihre Beiträge in andere globale Gesundheitsprojekte stecken. Tedros
betonte, die WHO habe frühzeitig Alarm geschlagen. Das könnten
unabhängige Untersuchungen nun rückblickend bewerten.

Aus dem Weißen Haus hieß es auf Anfrage lediglich, dass die USA nic
ht
vorhätten, ihre Entscheidung zu überdenken. Man ermuntere die
Organisation und die Mitgliedsstaaten, auf «dringend nötige Reformen»

hinzuarbeiten, sagte ein hoher Regierungsbeamter.

Viele Mitgliedsstaaten sprechen sich für eine Untersuchung aus. Bei
der WHO-Jahresversammlung im Mai wurde aber auch deutlich, dass die
andauernde Pandemie nicht der richtige Zeitpunkt dafür sei.

Tedros warnte, die größte Bedrohung sei derzeit das Fehlen einer
globalen Solidarität in der Gesundheitskrise. Die Pandemie könne
nicht besiegt werden, wenn die Welt immer stärker gespalten werde.
Die WHO rechnet demnach mit einem weltweiten Anstieg der Zahl der
Todesfälle in den kommenden Wochen auf rund 500 000. Nach Angaben der
Johns-Hopkins-Universität sind schon jetzt fast 490 000 Menschen
infolge einer Covid-19-Erkrankung gestorben.

Die Pandemie sei nicht vorbei, sagte Tedros. In vielen Ländern sei
immer noch ein starker Anstieg der Infektionen mit dem Virus
Sars-CoV-2 zu sehen. In anderen Staaten gebe es neue Fälle nach der
Lockerung der coronabedingten Beschränkungen, so Tedros.



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