Deutschland sagt für Opfer des Syrien-Konflikts Milliardenbetrag zu

30.06.2020 16:47

Millionen Syrer sind auf humanitäre Hilfe angewiesen und auf der
Flucht. Kann die internationale Gemeinschaft trotz der
Corona-Pandemie weiterhelfen?

Brüssel (dpa) - Deutschland und zahlreiche andere Staaten haben den
Opfern des Syrien-Konflikts zusätzliche Milliardenhilfen versprochen.
Allein Bundesaußenminister Heiko Maas sagte am Dienstag bei einer
Online-Geberkonferenz 1,58 Milliarden Euro zu. Weitere 2,3 Milliarden
Euro sollen zum Beispiel aus EU-Kassen fließen.

«Zwar können wir uns kaum die Qualen vorstellen, die das syrische
Volk durchleiden muss. Aber es ist unsere Pflicht, dieses Leid
zumindest zu lindern», sagte Maas (SPD). Der EU-Außenbeaufragte Josep
Borrell wies darauf hin, dass mehr als sechs Millionen Syrer vor der
Gewalt aus ihrer Heimat ins Ausland geflohen seien. Zudem gebe es
Millionen Binnenflüchtlinge.

Bei der von der EU-Kommission und den Vereinten Nationen
organisierten Konferenz berieten am Dienstag Vertreter von mehr als
80 Staaten und Organisationen über neue Hilfen für die Leidtragenden
des Bürgerkriegs in Syrien.

In dem seit mehr als neun Jahren andauernden Konflikt gab es nach
Schätzungen bereits rund eine halbe Million Tote. Alle Versuche,
einen politischen Übergang auf den Weg zu bringen, scheiterten
bisher. Die Regierung von Präsident Baschar al-Assad kontrolliert
mittlerweile wieder rund zwei Drittel des Landes, darunter die
wichtigsten Städte.

Seit dem Beginn einer von den Schutzmächten Russland und Türkei
vereinbarten Waffenruhe für das letzte große Rebellengebiet Idlib im
Nordwesten des Landes hat sich die Lage dort beruhigt. Dennoch warnen
Beobachter, die Gewalt dort könne jederzeit wieder eskalieren.

Zuletzt sorgte eine schwere Wirtschaftskrise für zusätzliche Not. Das
syrische Pfund hat in den vergangenen Monaten massiv an Wert
verloren. Die Corona-Pandemie und neue US-Sanktionen haben die Lage
weiter verschärft. Nach Angaben der EU waren zuletzt 11,7 Millionen
Menschen in Syrien auf humanitäre Hilfe angewiesen.
Hilfsorganisationen warnen, dass sich eine Hungerkrise ausbreite.

«Die wirtschaftliche Situation wird schlimmer und schlimmer», sagte
der Programmkoordinator der Welthungerhilfe für Syrien, Halil Kurt,
der Deutschen Presse-Agentur. Überall im Land gebe es mittlerweile
Probleme bei der Versorgung mit Lebensmitteln. «Die Menschen müssen
ihre Mahlzeiten verkleinern oder ganz ausfallen lassen», sagte Kurt.
Viele ernährten sich fast nur noch von Brot. «Sie überleben noch,
aber sie haben keine ausgewogene Ernährung mehr. Das wird langfristig
zu Gesundheitsproblemen führen.»

Die Sprecherin des UN-Nothilfewerks Ocha warnte: «Nach neun Jahren
der Krise und einer wachsenden Zahl von Flüchtlingen werden täglich
mehr Menschen in Hunger und Armut getrieben.»

Mit den deutschen Hilfsgeldern werden nach Angaben von
Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) allerdings nicht nur
Hunger sondern auch Perspektivlosigkeit bekämpft. Seit 2016 habe man
für 360 000 Menschen kurzfristig Jobs in mehreren Nachbarländern
schaffen können, erklärte er am Dienstag. Zudem könnten 750 000
syrische Kinder, die in diesen Ländern Zuflucht gefunden hätten,
durch die deutsche Unterstützung wieder zur Schule gehen. «Damit
leisten wir unseren Beitrag, dass keine verlorene Generation in
diesem furchtbaren Konflikt heranwächst», sagte Müller.



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