Satiriker Sonneborn lästert im EU-Parlament vor Merkel über Merkel

08.07.2020 18:00

Brüssel (dpa) - Der deutsche Europaabgeordnete Martin Sonneborn (55)
hat sich in der Plenarsitzung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel mit
einem satirischen Redebeitrag über die deutsche
EU-Ratspräsidentschaft lustig gemacht. «Anscheinend verspürt Europa
eine unbändige Sehnsucht, sich deutscher Führung zu unterwerfen»,
sagte der frühere Chefredakteur des «Titanic»-Magazins am Mittwoch
kurz nach einer mit viel Applaus bedachten Rede von Merkel im
Parlament in Brüssel. In Anspielung auf die Nazi-Zeit fügte er dann
an: «Warum erst jetzt und nicht schon vor 80 Jahren? Dem Kontinent
wäre einiges erspart geblieben.»

Sonneborn zog dann zum Beispiel über die Pläne für das
milliardenschwere Corona-Konjunkturprogramm und den Umgang der EU mit
dem umstrittenen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban her.
«Wenn ich richtig las, planen Sie, das Coronavirus mit viel Geld zu
ersticken - übrigens etwas, das der EU mit dem nicht minder schäbigen
Viktator Orban leider nicht geglückt ist», sagte er an die Adresse
von Merkel gerichtet.

Zu anderen Prioritäten Merkels für die deutsche
EU-Ratspräsidentschaft sagte er: «Sie werden den Klimawandel
verbieten und die Chinesen bewegen, uns künftig etwas leiser
auszulachen.» Und die Migration werde Merkel bewältigen, indem sie
sicherstelle, «dass die Gemeinheiten dort geschehen, wo sie nicht so
auffallen».

Seine einminütige Rede schloss Sonneborn mit den Worten: «Ihre Macht
kennt nur eine Grenze: Selbst Sie und Ihre (...) Milliarden können
nicht dafür sorgen, dass der Hamburger SV jemals wieder in die
Bundesliga aufsteigt.»

Sonneborn sitzt seit 2014 als fraktionsloser Abgeordneter im
Europaparlament. Bei der Wahl 2019 hatte seine «Partei» knapp 900 000
Stimmen bekommen (2,4 Prozent).



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