) Eurogruppe wählt neuen Chef - oder eine Chefin

09.07.2020 07:24

Die Eurogruppe ist ein informelles Gremium, aber sie ist in Brüssel
auch ein Machtzentrum. Denn dort sitzen die Länder der gemeinsamen
europäischen Währung zusammen. Wer wird sie in den nächsten Jahren
führen?

Brüssel (dpa) - Die Eurogruppe wählt am Donnerstag einen neuen Chef -
oder erstmals eine Chefin. Im Rennen um den einflussreichen Posten
sind die Spanierin Nadia Calviño, der Ire Paschal Donohoe und der
Luxemburger Pierre Gramegna. Sie bewerben sich um die Nachfolge des
portugiesischen Finanzministers Mario Centeno, der das Amt nach
zweieinhalb Jahren abgibt.

Die Eurogruppe ist ein informelles Gremium der Wirtschafts- und
Finanzminister aus den 19 Staaten der Währungszone. Sie beraten
normalerweise einmal im Monat und koordinieren sich in Fragen der
gemeinsamen Währung. Der oder die Vorsitzende wird immer für
zweieinhalb Jahre gewählt, kann sich aber mehrmals bewerben. Centeno
verzichtete, zumal er auch sein Ministeramt abgab.

Nötig sind zur Wahl mindestens 10 von 19 Stimmen. Die Minister
votieren bei der Videokonferenz mit Hilfe einer App geheim. Calviño
werden die besten Chancen eingeräumt, da sie wie Centeno
Südeuropäerin ist und dem sozialdemokratischen Lager angehört. Nach
gängiger Lesart geriete damit die Balance der Brüsseler Spitzenposten
am wenigsten durcheinander. Die Spanierin kann wohl auch mit
deutscher Unterstützung rechnen. Nach Angaben von Diplomaten hat sie
die zehn Stimmen in dem Dreierrennen aber noch nicht sicher.

Gramegna sagte der «Welt» in einem Interview: «Ich bin der Kandidat,

der von Benelux unterstützt wird. Das gibt der Kandidatur eine
gewisse Stärke.» Er bringe die nötige Erfahrung mit, zumal er als
Finanzminister schon sechseinhalb Jahre der Eurogruppe angehöre. Zu
dem Posten sagte er: «Ehrlich gesagt, Euro-Gruppe-Vorsitzender ist
eigentlich ein undankbarer Job.» Er bedeute sehr viel Arbeit, sei
aber auch reizvoll für einen «geborenen Diplomaten» wie ihn selbst.

Der Ire Donohoe hat die Rückendeckung der christdemokratischen
Europäischen Volkspartei, die in etlichen Euro-Ländern mitregiert. Er
meldete sich in einem Interview des Portals Politico zu Wort und
schlug vor, dass die Eurogruppe zusammen mit den übrigen EU-Ländern
über das geplante Paket zur wirtschaftlichen Erholung nach der
Corona-Krise berät. In der Eurogruppe war im April auch das erste
Corona-Paket mit Kredithilfen im Umfang von bis zu 540 Milliarden
Euro ausgehandelt worden.



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