EU-Parlament fordert mehr Geld für Kultur wegen Corona-Krise

10.07.2020 12:46

Brüssel (dpa) - Abgeordnete des Europaparlaments haben angesichts der
Coronavirus-Pandemie mehr finanzielle Unterstützung für den
Kultursektor gefordert. Der geplante EU-Wiederaufbaufonds müsse mehr
Mittel für die Kultur- und Kreativwirtschaft in Europa bereitstellen,
betonten mehrere EU-Abgeordnete am Freitag in einer Debatte mit
Kommissionsvize Margaritis Schinas. Auch im mehrjährigen
EU-Finanzrahmen, der in der kommende Woche bei einem EU-Gipfel
verhandelt wird, müsste mehr Geld für die Kultur festgeschrieben
werden, appellierten die EU-Parlamentarier bei der ersten Debatte zu
diesem Thema im Plenum.

Die SPD-Europaabgeordnete Petra Kammerevert kritisierte, weder im
Corona-Aufbauprogramm noch im mehrjährigen Finanzhaushalt finde die
Kultur richtig Beachtung. Die französische Abgeordnete Salima Yenbou
betonte, Kultur dürfe beim wirtschaftlichen Wiederaufbau Europas
keine Nebensache werden. Gerade während der Coronavirus-Pandemie
hätten Kulturschaffende in vielen Ländern die Ausgangssperren mit
ihrer Arbeit aufgelockert, erklärten mehrere Abgeordnete. Das dürfe
nun nicht vergessen werden.

Die Vorsitzende des Kulturausschusses des Europaparlaments, Sabine
Verheyen (CDU), warnte, der Kulturbereich sei besonders hart von der
Corona-Pandemie getroffen worden. Beispielsweise Freelancer und
Autoren hätten von den bisherigen Hilfsprogrammen kaum profitieren
können, da sie zwar niedrige Betriebskosten, dafür aber auch normale
Lebenshaltungskosten hätten, die mit den bisherigen Kreditprogrammen
nicht gedeckt seien, sagte Verheyen in einem Pressegespräch. Sie
forderte auch mehr Mittel für EU-Bildungsprogramme wie Erasmus + und
den Ausbau digitaler Schulangebote im mehrjährigen Finanzrahmen.

In den bisherigen Verhandlungen zum EU-Haushalt hatte die
EU-Kommission für den Kulturbereich die Bewilligung von Mitteln in
Höhe von 1,5 Milliarden Euro für sieben Jahre vorgeschlagen. Im
ursprünglichen Vorschlag von 2018 waren es 1,6 Milliarden gewesen.
EU-Vizekommissar Schinas machte bei der Debatte keine großen
Hoffnungen auf eine Erhöhung. Der Vorschlag der Kommission, der
derzeit auf dem Tisch liege, sei die bestmögliche Option gewesen, so
Schinas.

Das Europaparlament will bei seiner Sitzung im September über ein
entsprechendes Papier zur Lage der Kultur während Corona abstimmen.



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