Borissow feiert Bulgariens Schritt zum Euroraum - Gegenkundgebung

10.07.2020 20:47

Sofia (dpa) - In Bulgarien haben Hunderte jubelnde Anhänger der
Regierungspartei GERB die Aufnahme des Landes in den
Wechselmechanismus II der EU begrüßt. Dieser gilt als das sogenannte
Wartezimmer für den Euro. Der Kundgebung vor dem Ministerrat in Sofia
schloss sich am Freitagabend auch Regierungschef Boiko Borissow an.
Wie die EU-Kommission am Freitag mitteilte, wurde auch Kroatien in
den Wechselmechanismus II aufgenommen. 

«Heute ist ein guter Tag für Bulgarien», sagte er. Es würden nun
keine 12, 15 oder mehr Banken auf einmal Bankrott gehen, freute er
sich über einen der Vorteile der von Bulgarien angestrebten
Einführung des Euro. Damit erinnerte Borissow an die verheerende
Finanz- und Wirtschaftskrise in Bulgarien 1996-97. Das Balkanland ist
EU-Mitglied seit 2007.

Gleichzeitig wurde auf einer Kundgebung von Hunderten Anhängern des
Staatspräsidenten Rumen Radew der Rücktritt Borissows gefordert. Der
Staatschef, der den oppositionellen Sozialisten nahesteht, beteiligte
sich an der Aktion vor dem Präsidialamt, das unmittelbar gegenüber
dem Regierungssitz liegt.

«Wir sind hier, um faire Wahlen zu fordern», sagte Radew. Er beklagte
«politische Repressalien» und «Staatsanwalts-Erpressung». Hintergru
nd
sind Durchsuchungen von Arbeitsräumen von zwei Mitarbeitern des
Staatschefs, die festgenommen wurden. Ihnen wird Amtsmissbrauch
vorgeworfen. Die Sozialisten wollen noch im Juli im Parlament einen
Misstrauensantrag gegen Borissows seit Mai 2017 amtierende
bürgerlich-nationalistische Koalitionsregierung stellen.

Ein enormes Polizeiaufgebot hielt die Kundgebungen beider Lager
auseinander. Sie setzten später ihre Aktionen mit Straßenumzügen
durch die Innenstadt von Sofia fort.



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