EU-Abstimmung: Grüne fordern Verbot von Blei-Munition in Feuchtgebieten

11.07.2020 07:42

Berlin/Brüssel (dpa) - Kurz vor einer EU-Abstimmung über ein Verbot
von bleihaltiger Jagd-Munition in Feuchtgebieten machen Grüne und
Umweltschützer Druck auf die Bundesregierung, dem Verbot zuzustimmen.
Wie die Bundesregierung auf Anfrage der Grünen-Politikerin Steffi
Lemke schrieb, sind im Mittel in der EU pro Jahr rund 941 000
überwinternde Vögel und 886 000 Brutvögel von einer tödlichen
Bleivergiftung betroffen.

«Angesichts der Krise unserer Natur und Vogelsterbens sind das
dramatische Zahlen», sagte Lemke der Deutschen Presse-Agentur. Die
Bundesregierung müsse sich für das Verbot aussprechen, sonst sende
sie zum Start der EU-Ratspräsidentschaft «ein Signal der Ignoranz,
was Natur- und Umweltschutz angeht». Auch Umweltverbände fordern seit
Wochen den Bund auf, das Verbot zu unterstützen.

Die EU-Kommission lässt die Staaten derzeit schriftlich über ein
Verbot von Bleischrot zur Jagd in und über Feuchtgebieten abstimmen.
Bis zum Mittwoch müssen die Regierungen sich dazu äußern.

Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums sagte der dpa, das
Ministerium strebe «eine Zustimmung zum vorliegenden
Beschränkungsvorschlag der EU-Kommission an». Man versuche derzeit,
eine gemeinsame Position mit dem Bundesagrarministerium zu
entwickeln. Andernfalls muss Deutschland sich enthalten - nach
Einschätzung von Umweltverbänden würde die notwendige Mehrheit für

das Verbot dann nicht erreicht.

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) hatte am Freitag ihre
Bedenken gegen ein Verbot auf Twitter bekräftigt. «Leichtere Munition
birgt das Risiko eines langen, schmerzhaften Todes», schrieb sie. Das
gelte vor allem mit Blick auf invasive Arten wie Kanadagans, Nilgans,
Marderhund und Waschbär, die vorwiegend in Feuchtgebieten vorkämen
und nach EU- und nationalem Recht zu jagen seien.



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