Sommerurlaub in Zeiten von Corona: Wo Conte & Co eine Auszeit planen Von den dpa-Korrespondenten

27.07.2020 12:00

Besser nicht zu luxuriös und nicht zu lang - viele europäische
Spitzenpolitiker geben sich in Sachen Urlaub gerne bodenständig. Es
gibt allerdings Ausnahmen - auch während der schwersten Krise Europas
nach dem Ende Zweiten Weltkrieges.

Brüssel (dpa) - Urlaub machen in Zeiten von Corona: Gerade für
Spitzenpolitiker ist das eine heikle Angelegenheit. Nach dem mehr als
91 Stunden dauernden Sondergipfel in Brüssel dürften sich allerdings
zumindest der eine oder andere Staats- und Regierungschef nach ein
bisschen Erholung sehnen. Wer plant was in diesem sehr besonderen
Sommer? Ein Überblick:

ITALIEN: Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte hat zwar wegen der
Corona-Pandemie harte Monate mit nächtlichen Krisensitzungen hinter
sich - er wäre vermutlich absolut urlaubsreif. Trotzdem will sich der
55-jährige, parteilose Jurist wohl «nur ein paar Tage frei» gönnen,

so beschrieb es ein Sprecher. Er werde wahrscheinlich in der Nähe
Roms bleiben, vielleicht auch zu seinen Eltern fahren. Schließlich
hat auch die Hauptstadt einiges zu bieten: Unlängst hatte Conte sich
beim Open-Air-Kino mit seiner Freundin amüsiert. Den 60 Millionen
Italienern riet er im Frühjahr, sie sollten im eigenen Land Urlaub
machen. Denn Italiens Tourismusbranche kommt wegen der Corona-Krise
nicht in Schwung.

Contes politischen Gegner, Oppositionsführer Matteo Salvini von der
rechten Lega, zieht es an die Riviera der Adria. Aber nur für «einige
Tage», wie ein Sprecher betonte. Der 47-Jährige werde im Sommer in
den Wahlkampf für Regionalwahlen ziehen, die im September geplant
sind. «Ganz sicher wird er in Italien bleiben, wie immer!» Im Vorjahr
hatte Salvini, damals noch Innenminister, Wahlkampf in Badehose am
Sandstrand und im Gummiboot gemacht. Seine Gegner sahen darin einen
Tiefpunkt in Sachen des guten Geschmacks. Salvini kippte in dieser
Phase die Koalition - und kämpft nun um neue Aufmerksamkeit und ein
Comeback.

SPANIEN: Das spanische Staatsoberhaupt, König Felipe VI., und seine
Familie verbringen ihren Sommerurlaub traditionell auf Mallorca. Auf
der Baleareninsel im Mittelmeer sind die Temperaturen erträglicher
als in der Bruthitze der Hauptstadt Madrid, wo das Thermometer
tagsüber im August oft fast 40 Grad anzeigt. Auf Mallorca stehen dem
Staatsoberhaupt (52) sowie Königin Letizia (47) und ihren beiden
Töchtern, Kronprinzessin Leonor (14) und Sofía (13), und dem
emeritierten Königspaar Juan Carlos I. (82) und Sofía (81) ein
kleiner Palast zur Verfügung. Er heißt Marivent, was so viel wie Meer
und Wind bedeutet und liegt auf einem Felsen direkt am Wasser.

Marivent gilt vor allem als Lieblingsort der Mutter des Königs, der
in Griechenland geborenen Sofía. Außerhalb der Sichtweite der
Öffentlichkeit können die Mitglieder der königlichen Familie dort
auch mal barfuß gehen und entspannt sein, schrieben spanische Medien
in früheren Jahren. Der Königsfamilie steht auch eine Yacht für
Segelausflüge zur Verfügung.

An den öffentlichen Stränden oder gar am Ballermann sind die Royals
während ihres Urlaubs noch nie gesehen worden. Und ob es in diesem
Corona-Sommer, der anders als alle früheren ist, überhaupt etwas mit
dem Urlaub am Mittelmeer wird, darüber hat die Königsresidenz Palacio
de la Zarzuela in Madrid noch nichts mitgeteilt.

Andere in Deutschland bekannte Politiker wie Regierungschef Pedro
Sánchez oder sein Vize Pablo Iglesias teilen nie vorher mit, ob, wie
und wo sie Urlaub machen.

DÄNEMARK: Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen (42) hat

den schönsten Tag des Sommers vermutlich schon hinter sich. Sie
heiratete am 15. Juli nach mehrmaligem Aufschub wegen beruflicher
Verpflichtungen endlich ihren Lebensgefährten Bo Tengberg. Die beiden
ließen sich in einer kleinen Kirche auf der Ostsee-Insel Møn trauen,
wo sie ein Sommerhaus haben. Eigentlich hatte die Hochzeit erst ein
paar Tage später gefeiert werden sollen, für diesen Termin wurde dann
aber der EU-Sondergipfel zum milliardenschweren Corona-Hilfspaket
einberufen.

SCHWEDEN: Für den schwedischen Regierungschef Stefan Löfven (63)
könnte der Brüsseler Gipfel die einzige Auslandsreise des Sommers
bleiben: Viele Länder in Europa lassen die Schweden weiterhin wegen
ihrer vergleichsweise hohen Infektionszahlen nicht ins Land - das
gilt auch für Toppolitiker, sofern sie sich nicht auf Dienstreise
befinden. Den Sommer verbringt Löfven nach Angaben seines Büros
diesmal sowohl in Stockholm als auch in der nahe gelegenen Region
Sörmland sowie in nördlicheren Gefilden, nämlich in der Kleinstadt
Örnsköldsvik, in der er früher als Schweißer gearbeitet hatte. Ganz

abschalten wird der Sozialdemokrat nicht können: Er und sein Kabinett
haben keinen Urlaub im klassischen Sinne, sondern immer Bereitschaft
- und zwar jeden Tag, das ganze Jahr über.

FRANKREICH: Wo Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (42) und seine
Ehefrau Brigitte ihren Sommerurlaub verbringen werden, ist noch
offen. Medien spekulieren aber, dass es sie wieder in die malerische
Mittelmeerresidenz Fort Brégançon an der Riviera ziehen könnte. Die
Macrons hatten dort bereits in den vergangenen Jahren ihre Ferien
verbracht. Das der Küste vorgelagerte historische Gebäude aus dem 17.
Jahrhundert mit einem großen Garten dient seit rund 50 Jahren als
gelegentliche Unterkunft der französischen Staatschefs. Macron hatte
dort im vergangenen Sommer den Gipfel der großen Industrieländer (G7)
vorbereitet und Russlands Präsident Wladimir Putin empfangen. Wegen
der Corona-Krise ist auf jeden Fall zu erwarten, dass die Macrons
ihren Urlaub in Frankreich verbringen werden.

GROßBRITANNIEN: Der britische Premier Boris Johnson hat offiziell
keine Urlaubspläne verkündet. Vielleicht stehen aber in den Ferien
verstärkt Windelwechseln und Kuscheln an: Ein Regierungssprecher
hatte nach der Geburt von Johnsons Sohn Wilfred nämlich angekündigt,
dass der Premier später im Jahr eine kurze Auszeit für den Nachwuchs
nehmen wolle. Bislang habe er noch keine Zeit gefunden, sich damit zu
befassen, sagte Johnson (56) kürzlich dem Radiosender LBC. Er und
seine 24 Jahre jüngere Verlobte Carrie Symonds waren Ende April
Eltern geworden - erst kurz zuvor war Johnson nach einer
Covid-19-Erkrankung in seinen Amtssitz zurückgekehrt.

EU: Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (61) würde im August
gerne zwei Wochen zuhause auf dem Dorf bei Hannover mit Familie,
Garten und Tieren verbringen. So verbringt sie seit Jahren ihre
Ferien - wenn es denn ihr Job ermöglicht. Letztes Jahr gab es für sie
beispielsweise keinen einzigen Tag richtigen Sommerurlaub.



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