Montage von Kernfusionsreaktor Iter beginnt in Frankreich

28.07.2020 14:18

Saint-Paul-lez-Durance (dpa) - Beim Bau des internationalen
Kernfusionsreaktors Iter für eine klimafreundliche Energiegewinnung
hat ein wichtige nächste Etappe begonnen. Das Iter-Projekt sei ein
Akt des Vertrauens in die Zukunft, sagte Frankreichs Staatschef
Emmanuel Macron am Dienstag im Rahmen einer Online-Feier zum ersten
Schritt der Montage des Tokamak-Fusionsreaktors in Südfrankreich.
Iter sei ein Versprechen des Friedens und zeige, dass das, was
Menschen zusammenbringe, stärker sei als das, was sie trenne, sagte
Macron in einer Videobotschaft. Er sei stolz, dass Frankreich
Gastgeber dieses Projekts für die «Zukunft der Menschheit» sei.

Befürworter erhoffen sich von der Kernfusion eine klimafreundliche,
nahezu unendlich verfügbare Energiequelle. Iter-Kritiker halten
dagegen, dass die Technologie angesichts des Aufstiegs erneuerbarer
Energien zu spät komme. An dem Iter-Projekt sind insgesamt 35 Länder
beteiligt. Der Start der Montage sei ein historischer Moment, sagte
Iter-Chef Bernard Bigot. Es sei eine einzigartiges Vorhaben und
Beispiel für internationale Kooperation. Der härteste Teil der
Arbeit, die Montage, liege aber noch vor dem Team, so Bigot. Der
Aufbau sei wie ein riesiges 3D-Puzzle, das unter Beachtung des
Zeitplans zusammengesetzt werden müsse.

Anlässlich der Online-Feier schickten neben Macron unter anderem auch
EU-Energiekommissarin Kadri Simson und Südkoreas Präsident Moon Jae
In Videobotschaften. Die beteiligten Länder begrüßten den
«Meilenstein» des Projekts. Zuvor wurden bei einer Video-Führung auf

der Baustelle bei Cadarache, rund 60 Kilometer nordöstlich der
Hafenmetropole Marseille, die Großbauteile des Reaktors präsentiert.
An dem Projekt sind neben der EU die USA, Russland, China, Indien,
Japan und Südkorea beteiligt.

Der Kernfusionsreaktor soll seinen Betrieb im Jahr 2025 aufnehmen.
Dann solle das erste Plasma eingesetzt werden und Physiker mit
Experimenten beginnen können, erklärte Iter-Chef Bigot. Für 2035 ist

die Beladung des Reaktors mit Deuterium-Tritium und der Beginn des
Versuchs, Energie aus Kernfusion zu erzeugen, geplant. Dass der
Reaktor die Energie dann gegebenenfalls als Elektrizität erfasst, ist
nach Iter-Angaben nicht vorgesehen.

Der Reaktor Iter soll Energie aus der Verschmelzung von
Wasserstoff-Atomen erzeugen und damit die Funktionsweise der Sonne
imitieren. Die Kosten werden auf mehr als 20 Milliarden Euro
geschätzt. Die Arbeiten hatten 2010 begonnen.



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