Greenpeace-Kalkulation: US-Jets würden rund 8 Milliarden Euro kosten

28.07.2020 20:56

Berlin (dpa) - Der vom Verteidigungsministerium angestrebte Kauf von
45 F-18-Kampfflugzeugen des US-Herstellers Boeing könnte einer
Schätzung im Auftrag von Greenpeace zufolge etwa acht Milliarden Euro
kosten. Das berichtete zuerst die «Süddeutsche Zeitung» (Mittwoch),
die Kalkulation liegt auch der Deutschen Presse-Agentur vor. Sie
kommt zu dem Ergebnis, dass für die Beschaffung Kosten von «im
Minimum» zwischen 7,67 und 8,77 Milliarden Euro anfallen würden.

Autoren sind der Direktor des Berliner Informationszentrums für
transatlantische Sicherheit, Otfried Nassauer, und der ehemalige
Offizier Ulrich Scholz. Die Greenpeace-Kalkulation stützt sich auf
Angaben des australischen Rechnungshofs zu einem Beschaffungsvorhaben
von F-18-Flugzeugen in Australien.

Das Verteidigungsministerium will die überalterte Tornado-Flotte der
deutschen Luftwaffe mit bis zu 93 Eurofightern sowie 45
F-18-Kampflugzeugen ersetzen. Verteidigungsministerin Annegret
Kramp-Karrenbauer (CDU) hatte dazu im April deutlich gemacht, dass
eine entscheidungsreife Beschlussvorlage erst für die Jahre 2022 oder
2023 erwartet werden kann.

Das US-Modell F-18 soll als schon marktverfügbare Lösung für den
elektronischen Luftkampf sowie die «Nukleare Teilhabe» Deutschlands
an US-Waffen beschafft werden. Das nukleare Abschreckungskonzept der
Nato sieht vor, dass Verbündete im Kriegsfall Zugriff auf Atomwaffen
der USA haben. Bislang stehen für diese Aufgabe in Deutschland die
Tornado-Jets bereit.

Alexander Lurz, Abrüstungsexperte bei Greenpeace, sagte der
«Süddeutschen Zeitung», der geplante Kauf der Maschinen sei «nicht

nur abrüstungspolitisch ein verheerendes Signal, sondern in
Corona-Zeiten eine Verschwendung bald knapper finanzieller Mittel».

Das Thema hatte auch innerhalb der schwarz-roten Koalition schon für
Diskussionen gesorgt. SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich hatte im Mai
gefordert, dass Deutschland die Stationierung von US-Atombomben
künftig ausschließen solle. Regierungssprecher Steffen Seibert hatte
sich im Namen der Bundesregierung allerdings klar zum Prinzip der
atomaren Abschreckung bekannt. Auch Außenminister Heiko Maas (SPD)
lehnte den Vorstoß seiner Parteifreunde ab.



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