UNHCR: «Unsägliche Brutalität» auf Migrationsrouten innerhalb Afr ikas

29.07.2020 14:48

Die von der EU unterstützte libysche Küstenwache hat nach einem
UNHCR-Bericht in diesem Jahr bereits 6200 Menschen an einer
gefährlichen Überfahrt nach Europa gehindert. Was folgt ist
offensichtlich aber wenig menschenfreundlich.

Genf/Brüssel (dpa) - Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt
kommen nach einer Studie schon auf den afrikanischen Migrationsrouten
in Richtung Mittelmeer jedes Jahr Tausende Menschen um oder werden
misshandelt. Sie gerieten in die Hände von Menschenschmugglern,
Milizen, Militär oder Polizei und erlebten «unsägliche Brutalität
»,
berichteten das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR und das
Migrationszentrum des dänischen Flüchtlingsrat in Genf.

Die Organisationen gehen davon aus, dass 2018 und 2019 mindestens
1750 Menschen auf den Routen umgekommen sind - zusätzlich zu denen,
die auf dem Weg über das Mittelmeer nach Europa verschwinden oder
umkommen. 2018 und 2019 kamen auf der zentralen Mittelmeerroute -
meist von Libyen aus - nach Statistiken der UN-Organisation für
Migration (IOM) mehr als 2500 Menschen ums Leben.

Gut ein Viertel der Menschen sterbe auf den Landrouten bei der
Durchquerung der Sahara. An Durchgangsstationen in der Wüste und an
Grenzposten sei sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Frauen, aber auch
Jungen und Männer, an der Tagesordnung. Auch Menschenschmuggler täten
Migranten Gewalt an und zwängen Frauen in die Prostitution.

In Libyen kämen Überlebende schwer traumatisiert an. Dort würden sie

- und die Menschen, die die libysche Küstenwache auf dem Mittelmeer
abfange - unter oft menschenverachtenden Umständen in Lagern
festgehalten. Die Küstenwache habe in diesem Jahr bereits mehr als
6200 Menschen abgefangen. Im vergangenen Jahr waren es gut 9000.

«Die erschütternden Erlebnisse der Flüchtlinge und Migranten auf
diesen Landrouten ist zu lange unsichtbar geblieben», sagte
UNHCR-Chef Filippo Grandi. Die brutale Gewalt richte sich vielfach
gegen Menschen, die vor Kriegen, Gewalt und Verfolgung fliehen. Er
rief die Länder in der Region auf, die Brutalität zu beenden, die
Opfer zu schützen und Täter zur Rechenschaft zu ziehen.

Die EU wies unterdessen Vorwürfe zurück, wegen ihrer
Unterstützungsleistungen für die libysche Küstenwache zumindest für

die Situation in Libyen mitverantwortlich zu sein. Man verurteile die
Gefangenenlager und arbeite mit den libyschen Behörden daran, dass
sie geschlossen werden, erklärte ein Sprecher des Auswärtigen
Dienstes am Mittwoch in Brüssel. «Wir sind uns der Probleme bewusst
und wir versuchen, sie anzugehen.»



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