Lesbos: Tausende Menschen harren weiterhin im Freien aus

14.09.2020 09:57

Lesbos/Athen (dpa) - Tausende Migranten haben auf Lesbos eine weitere
Nacht im Freien verbracht. Mit dem ersten Tageslicht seien weitere
Migranten ins provisorische Zeltlager von Kara Tepe eingezogen,
teilte das Migrationsministerium am Montag mit. Alle würden auf
Corona getestet. Bis Montagvormittag wurden insgesamt 550 Menschen in
dem provisorischen Zeltlager aufgenommen. 14 von ihnen wurden bei
einem Schnelltest als Corona-positiv diagnostiziert, hieß es aus
Kreisen des Migrationsministeriums.

Viele Menschen zögern weiterhin, in dieses Camp zu gehen. Gerüchte
machen die Runde, denen zufolge das provisorische Lager eine Art
Gefängnis werden könnte, das niemand verlassen kann. Zudem hindern
nach Augenzeugenberichten überwiegend aus Afghanistan stammende
Migranten ihre Landsleute daran, ins Camp Kara Tepe zu gehen, wie es
aus Regierungskreisen heißt.

Viele Migranten glauben, mit den Bildern vom Elend der Menschen, die
weltweit gezeigt werden, könnten nun alle Migranten zum griechischen
Festland und danach nach Westeuropa gebracht werden. Der
stellvertretende Migrationsminister Giorgos Koumoutsakos hält dem
allerdings entgegen: «Wer denkt, er könne zum Festland und dann nach
Deutschland reisen, der soll es vergessen.»

Die griechischen Sicherheitskräfte bereiten nach Informationen
örtlicher Medien in den nächsten Tagen eine umfangreiche Aktion vor,
um alle Migranten von den Straßen zu holen und ins Zeltlager zu
bringen. Der griechische Minister für Bürgerschutz, Michalis
Chrysochoidis, hatte bereits am Vortag die radikalen Migranten
gewarnt: Wer Menschen daran hindere, ins Lager zu gehen, müsse mit
harten Strafen rechnen, sagte er im Staatsfernsehen (ERT).



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