Erst 800 Migranten im neuen Zeltlager auf Lesbos - 21 Corona-Fälle

15.09.2020 07:58

Athen (dpa) - Die Aufnahme von Migranten in einem provisorischen
Zeltlager auf der griechischen Insel Lesbos kommt nur mühsam voran.
Bis Dienstagmorgen sind nur rund 800 Menschen in das Camp Kara Tepe
wenige Kilometer nördlich der Hauptortschaft der Insel Mytilini
gegangen, wie der staatliche Rundfunk (ERT) unter Berufung auf das
Migrationsministerium berichtete. 21 Migranten seien positiv auf das
Corona-Virus getestet worden. Sie seien isoliert worden.

Im ehemaligen Camp Moria, das am vergangenen Mittwoch bei einem
Großbrand zerstört worden war, hatten sich mehr als 12 000 Migranten
gelebt.

Mit Flugblättern in sieben Sprachen werden die Migranten jetzt
informiert, dass es keinen anderen Weg für sie gibt, die Insel zu
verlassen, als Asyl zu bekommen. Den Asylprozess könne man aber nur
im neuen Lager durchlaufen.

Nach wie vor machen unter Migranten Gerüchte die Runde, wer ins Lager
gehe, werde eingesperrt wie in einem Gefängnis. Radikale Migranten,
in ihrer Mehrheit Afghanen, deren Asylanträge abgelehnt worden seien,
sähen dagegen in diesen chaotischen Zuständen die letzte Möglichkeit,

doch noch zum Festland Griechenlands und danach nach Westeuropa
gebracht zu werden, sagte ein Offizier der Küstenwache der Deutschen
Presse-Agentur am Dienstag. Viele dieser Migranten drohten ihren
Landsleuten, nicht ins Lager zu gehen, anderenfalls könne ihnen
Schlimmes zustoßen, hieß es. «Wir wissen genau, wer sie sind», sagt
e
der griechische Bürgerschutzminister Michalis Chryssohoidis am
Montagabend im Staatsfernsehen (ERT). Sollten radikale Migranten ihre
Taktik fortsetzen, werde es harte Strafen für diese Menschen geben,
hieß es.



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