Brexit: Zwei Tage Wartezeit an britischer Grenze befürchtet

15.09.2020 13:45

London/Kent (dpa) - Nach dem Ende der Brexit-Übergangsphase zum
Jahreswechsel erwarten die britischen Behörden einem internen Papier
zufolge erhebliches Chaos an den Grenzen. Man rechne bereits im
Januar mit Schlangen von bis zu 6500 Lastwagen in der
Grenzregion Kent, wie aus dem vertraulichen Regierungsdokument
hervorgeht, über das der britische «Guardian» am Dienstag berichtete.


Im Februar könnte es den Berechnungen der Experten zufolge sogar bis
zu zwei Tage dauern, bis Lastwagen im Stau bis an die Grenze
vordringen. Das Papier skizziert ein «Worst-Case-Szenario». Die
Autoren betonen auch, dass die Staus und Verzögerungen selbst dann
entstehen könnten, wenn Großbritannien es noch schafft, einen
Handelspakt mit der EU auszuhandeln.

Derzeit stocken die Verhandlungen. Gibt es keine Einigung, droht zum
Jahreswechsel der harte Bruch mit Zöllen und anderen
Handelshemmnissen. Doch selbst wenn noch ein Vertrag zustande käme,
wäre Großbritannien ab 2021 nicht mehr Teil des europäischen
Binnenmarktes, so dass einige Kontrollen in jedem Fall notwendig
würden.

Um das befürchtete Chaos zu minimieren, schlagen die Experten dem
Papier zufolge vor, Service-Stationen an Autobahnen innerhalb des
Landes zu errichten. Dort soll Lkw-Fahrern dabei geholfen werden,
rechtzeitig vor der Grenze die notwendigen Dokumente vorzubereiten.

Ziel soll es darüber hinaus sein, ein Software-basiertes System
aufzubauen, mit dem ein flüssiger Warenverkehr gewährleistet werden
soll. Allerdings steht dafür noch viel Arbeit an, wie aus dem Papier
hervorgeht: 26 Regierungsbehörden mit 100 IT-Systemen sollen
beteiligt sein. Ein wichtiges Online-Ampelsystem soll zudem erst ab
Ende November getestet werden.



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