Rund eintausend Migranten im neuen Lesbos-Lager - 35 Corona-Fälle

16.09.2020 09:15

Athen (dpa) - Die Aufnahme von Migranten in einem provisorischen
Zeltlager auf der griechischen Insel Lesbos kommt nur schleppend
voran. Bis zum Mittwochmorgen waren gut eintausend Menschen in das
Camp Kara Tepe wenige Kilometer nördlich der Hauptortschaft der Insel
Mytilini gegangen, wie der staatliche Rundfunk (ERT) unter Berufung
auf das Migrationsministerium berichtete. 35 Migranten seien positiv
auf das Corona-Virus getestet worden. Sie seien isoliert worden, hieß
es weiter. Rund 11 000 Menschen leben noch im Freien, nachdem das
Camp Moria am Mittwoch vergangener Woche bei einem Großbrand zerstört
worden war.

Auf der Insel Samos wurde am Mittwochmorgen Entwarnung gegeben.
Starke Winde haben nämlich die Flammen eines Brandes, der am späten
Dienstagabend am Rande des Registriercamps von Vathy ausgebrochen
war, in Richtung eines nicht dicht bewaldeten Hügels getrieben. Die
Feuerwehr hätte den Brand dann löschen können, berichtete das
Staatsradio. Die Polizei und die Feuerwehr haben einige Menschen in
Gewahrsam genommen. Es werde untersucht, ob sie in eine Brandstiftung
verwickelt gewesen seien, hieß es. Auf Samos leben rund 4600
Migranten.

Auf Lesbos werden unterdessen die Migranten mit Flugblättern in
sieben Sprachen informiert, dass es keinen anderen Weg für sie gibt,
die Insel zu verlassen, als Asyl zu bekommen. Den Asylprozess könne
man aber nur im neuen Lager durchlaufen. Die Sicherheitskräfte hatten
am Dienstag sechs jungendliche Migranten- alle Afghanen- als
mutmaßliche Brandstifter festgenommen.

Griechenland will alle rund 12 000 Bewohner des abgebrannten Lagers
Moria weiter vor Ort unterbringen und nicht auf das Festland bringen
- das haben Regierungsvertreter mehrfach betont. Hintergrund ist die
Befürchtung, dass sonst auch Migranten in anderen Lagern absichtlich
Feuer legen könnten, um ihre Weiterreise nach Europa, insbesondere
nach Deutschland, zu erzwingen. Außerdem befürchtet Athen, dass noch
mehr Migranten, die sich zurzeit in der Türkei aufhalten, zur
Überfahrt nach Europa animiert werden - das soll verhindert werden.
Zudem verweist Athen auf Zahlen, wonach Asylanträge von vielen
Migranten in Moria entweder noch nicht entschieden oder aber
abgelehnt wurden.



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