Timmermans: Vorschlag zum Klimaziel «nicht von ungefähr»

16.09.2020 16:05

Berlin (dpa) - EU-Kommissionsvize Frans Timmermans hält die
vorgeschlagene Verschärfung des EU-Klimaziels für zwingend, um bis
Mitte des Jahrhunderts die Klimaneutralität zu erreichen. «Wir machen
das nicht von ungefähr», sagte Timmermans am Mittwoch bei einem
Kongress des Industrieverbands BDI. «Wenn wir das erreichen wollen
bis 2050, dann müssen wir bis 2030 mindestens 55 Prozent weniger
ausstoßen.» Das zeige die Folgenabschätzung, die am Donnerstag
veröffentlicht werde. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen
hatte «mindestens 55 Prozent» Treibhausgas-Minderung bis 2030 im
Vergleich zu 1990 vorgeschlagen. Bisher lag das Ziel bei 40 Prozent.

Timmermans betonte, er sei immer bereit zum Dialog mit der Industrie.
Die konkreten Maßnahmen, mit denen das Klimaziel erreicht werden
solle, kämen erst im nächsten Jahr. Einen Ausblick gab der
EU-Kommissar für Klimaschutz aber schon: Im Handel mit
Verschmutzungsrechten werde die Zahl der Zertifikate weiter
verknappt. Man werde prüfen, diesen Handel von der Energiewirtschaft
und Teilen der Industrie auf fossile Brennstoffe - also vor allem
Sprit und Heizöl - auszuweiten. Der Seeverkehr solle einbezogen und
der Anteil der versteigerten Luftverkehrs-Zertifikate erhöht werden.

Das werde aber nicht reichen, betonte Timmermans. Die Klima-Vorgaben
für die Flotten der Autobauer würden weiter verschärft, sagte
Timmermans. Bei Energieeffizienz sei in den meisten Mitgliedsstaaten
noch «viel, viel zu leisten». Die Abscheidung, Nutzung und
Speicherung von Kohlenstoff müssten «erprobt und in größtem Maßst
ab
getestet und auf den Markt gebracht werden». Diese Technologien, der
Atmosphäre CO2 zu entziehen, sind umstritten.



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