EU-Abgeordnete zum Brexit: Jetzt rund um die Uhr verhandeln

15.10.2020 10:45

Brüssel (dpa) - Führende Europaabgeordnete sehen noch eine Chance auf
Einigung über einen Handelspakt mit Großbritannien bis Ende Oktober.
Dafür müsste aber in den nächsten zwei Wochen rund um die Uhr
verhandelt werden, sagten die beiden Brexit-Experten David McAllister
(CDU) und Bernd Lange (SPD) am Donnerstag vor dem EU-Gipfel in
Brüssel.

Der britische Premierminister Boris Johnson werde wohl bis Montag
entscheiden, ob Großbritannien die Verhandlungen fortsetzen wolle,
sagte McAllister. Selbst wenn Johnson sich dafür entscheide, sei der
Ausgang der Gespräche ungewiss. Lange taxierte die Erfolgschancen auf
etwa 40 Prozent. «Ob das gelingt, ist wirklich in den Sternen», sagte
der SPD-Abgeordnete. Es gelte nun: «Entweder Katja Epstein: «Wunder
gibt es immer wieder» oder Christian Anders: «Es fährt ein Zug nach
nirgendwo»».

Johnson hatte der EU ursprünglich eine Frist bis 15. Oktober für eine
Einigung gesetzt, also diesen Donnerstag. Am Mittwoch hatte der
britische Regierungschef jedoch angekündigt, zunächst den zweitägigen

EU-Gipfel abzuwarten, der am Freitag endet.

Auf dem Gipfel beraten Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre
EU-Kollegen, wie ein Handelsvertrag noch gelingen kann. In einem
neuen Entwurf der Gipfelerklärung, der der Deutschen Presse-Agentur
am Donnerstag vorlag, nimmt die EU die britische Regierung in die
Pflicht: Der Gipfel will EU-Chefunterhändler Michel Barnier
auftragen, die Verhandlungen in den nächsten Wochen weiter zu führen,
und «ruft Großbritannien auf, die nötigen Schritte zu tun, um ein
Abkommen möglich zu machen».

Der Vertrag soll die wirtschaftlichen Beziehungen nach der
Brexit-Übergangsphase ab 2021 regeln und Zölle und Handelshemmnisse
verhindern.



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