Corona: Brüssel drängt EU-Staaten zu Impfvorbereitungen

15.10.2020 14:58

Brüssel (dpa) - Die EU-Kommission empfiehlt den Mitgliedstaaten in
der Corona-Krise eine gemeinsame Strategie zur vorrangigen Impfung
bestimmter Bevölkerungsgruppen. Dabei geht es um die Frage, wer das
heiß ersehnte Mittel zuerst bekommt, sollte sich einer der
Impfstoff-Kandidaten als wirksam erweisen. Zudem müssten die
EU-Staaten Vorbereitungen für die Impfungen treffen, etwa Kühlketten
und medizinisches Personal organisieren, sagte Gesundheitskommissarin
Stella Kyriakides am Donnerstag in Brüssel.

Vor der Zulassung eines Impfstoffs habe Sicherheit oberste Priorität,
und anschließend werde das Mittel auch keine Patentlösung gegen die
Pandemie sein. Aber es werde helfen, Leben zu schützen und die
Wirtschaft aufrecht zu erhalten. «Es wird den Bürgern Hoffnung geben
und das, was sie ebenfalls brauchen: Berechenbarkeit in ihrem Leben»,
sagte Kyriakides.

Die EU-Kommission hat im Namen aller EU-Staaten Rahmenverträge mit
Pharmaherstellern ausgehandelt, die aussichtsreiche
Impfstoffkandidaten am Start haben. Insgesamt würden den
Mitgliedstaaten damit bis zu 1,3 Milliarden Impfdosen aus diesem
Portfolio der potenziellen Impfstoffkandidaten zur Verfügung stehen,
mit der Option auf 500 Millionen weitere, sagte
Kommissionsvizepräsident Margaritis Schinas. Ob diese wirklich
wirksam und sicher sind, wird noch getestet, der Zulassungstermin ist
offen.

Sobald ein Stoff zugelassen sei, hätten alle 27 Staaten gleichzeitig
Zugang zu ersten Lieferungen, verteilt nach der Bevölkerungszahl,
bekräftigte die Behörde. Da anfangs nur geringe Mengen zur Verfügung

stünden, sollten die EU-Staaten jedoch festlegen, wer den schützenden
Piks zuerst bekommt, so etwa medizinisches Personal, Menschen über 60
Jahre, Kranke und Personen mit sozialen Nachteilen. Grundsätzlich
sollte das Prinzip einer kostenlosen Impfung gelten, sagte Margaritis
Schinas.

Kyriakides äußerte sich sehr besorgt über die starke Zunahme von
Corona-Infektionen in fast allen EU-Staaten. «Die Zeit läuft uns
davon», sagte sie. «Oberste Priorität für jeden sollte sein, alles

Nötige zu tun, um die verheerenden Konsequenzen allgemeiner Lockdowns
abzuwenden.»



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