Kirche, UN und EU rufen zu Gewaltverzicht bei Wahlen in Bolivien auf

16.10.2020 06:02

La Paz (dpa) - Wenige Tage vor den konfliktreichen Präsidentschafts-
und Parlamentswahlen in Bolivien am 18. Oktober haben die
Bolivianische Bischofskonferenz, die Europäische Union und die
Vereinten Nationen erneut dazu aufgefordert, Gewalt zu vermeiden.
«Wir richten einen Appell an die bolivianische Bevölkerung, kein
Klima der Konfrontation und Aggression zu schaffen, das den Erfolg
des demokratischen Übergangsprozesses verhindern würde», hieß es in

einer gemeinsamen Erklärung am Donnerstag (Ortszeit).

In den vergangenen Wochen hatten sich die Berichte über Angriffe auf
Mitglieder des Wahlgerichts, Kandidaten und Auseinandersetzungen
zwischen Anhängern verschiedener Seiten in dem Andenstaat gehäuft.
Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte in Bolivien registrierte
im Wahlkampf, in dem die MAS-Partei ihre Unterstützer am Mittwoch zu
einer Abschlusskundgebung versammelte, mehr als 40 Gewaltattacken.

Bei Protesten nach der Präsidentschaftswahl im Oktober 2019 starben
35 Menschen. Der damalige Präsident Evo Morales musste auf Druck des
Militärs zurücktreten. Ihm wurde Wahlbetrug vorgeworfen. Daraufhin
übernahm eine Interimsregierung, die Anhänger des linksgerichteten
Ex-Präsidenten Morales sowie seine Verbündeten in der Region sprechen
von einem Putsch.

Der langjährige Staatschef lebt derzeit im Exil in Argentinien, eine
Kandidatur für einen Sitz im bolivianischen Senat wurde ihm
untersagt. Dennoch liegt sein Schatten über der Wahl. Beobachter
rechnen bei einem Sieg der linken MAS-Partei von Morales auch mit
dessen Rückkehr.



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