Germanwatch kritisiert Zögern des EU-Gipfels beim Klimaschutz

16.10.2020 09:02

Brüssel/Berlin (dpa) - Die Umweltorganisation Germanwatch hat den
Staats- und Regierungschefs der EU vorgeworfen, mit einem nur vagen
Beschluss zum Klimaziel 2030 in Brüssel eine große Chance verspielt
zu haben. «Die internationale Dynamik, die mit der Aussicht auf ein
deutlich verbessertes Klimaziel der EU gerade entstanden war, droht
nun ins Stocken zu geraten», sagt Lutz Weischer, Leiter des Berliner
Germanwatch-Büros, einer Mitteilung vom Freitag zufolge.

Die EU-Staaten hatten sich beim Gipfeltreffen in Brüssel zwar
grundsätzlich darauf geeinigt, das Klimaziel für 2030 zu verschärfen.

Ein konkreter Beschluss soll aber erst später bis zum Jahresende
gefällt werden.

Germanwatch verwies auf die chinesische Ankündigung, das eigene
Klimaziel zu verschärfen. Ohne den Vorschlag der EU-Kommission zur
Reduktion des Treibhausgasausstoßes um mindestens 55 Prozent wäre
dies «überhaupt nicht denkbar gewesen». Das Europäische Parlament
habe mit seiner Forderung nach einer Reduktion um 60 Prozent für mehr
Schwung gesorgt.

«Aber jetzt bremsen die Staats- und Regierungschefs. Damit geht
kostbare Zeit verloren, um weitere Staaten von einer Erhöhung ihrer
Klimaziele zu überzeugen», sagte Weischer. «Wir fordern die
Bundeskanzlerin als aktuelle Ratspräsidentschaft auf, jetzt eine
aktivere Rolle zur Verhandlung dieser zentralen Einigung zu
übernehmen. Auch ein zusätzlicher Gipfel im November sollte geprüft
werden.» Das Mindestziel einer Reduktion um 55 Prozent bis 2030 müsse
um weitere Schritte der EU und um Partnerschaften für mehr
Klimaschutz anderswo in der Welt ergänzt werden.



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