VW-Verkäufe und EU-Automarkt im September im Plus - Quartale negativ

16.10.2020 12:34

Prämien für Elektro- und Hybridfahrzeuge schieben den Automarkt an.
Doch auch wenn sich im September Lichtblicke zeigen: Auf Jahressicht
dürfte die Corona-Krise der Branche weiterhin enorme Probleme machen.

Wolfsburg/Brüssel (dpa) - Das Geschäft des VW-Konzerns und Teile des
europäischen Automarkts scheinen nach dem Corona-Einbruch langsam
wieder Tritt zu fassen. Im September stiegen die Auslieferungen der
Volkswagen-Gruppe im Vergleich zum Vorjahresmonat um 3,3 Prozent auf
933 600 Fahrzeuge, nachdem es im August noch ein Minus von 6,6
Prozent gegeben hatte. Wie der weltgrößte Autohersteller am Freitag
berichtete, verliefen die ersten drei Quartale insgesamt allerdings
deutlich schlechter: Von Januar bis September wurden alle VW-Marken
18,7 Prozent weniger Neuwagen los als 2019, das dritte Quartal selbst
schlossen die Wolfsburger mit einem Minus von 1,1 Prozent ab.

Hauptgrund ist der Nachfragerückgang infolge der Pandemie, viele
Menschen bleiben vorsichtig mit größeren Anschaffungen. Europaweit
legten die Neuzulassungen im September immerhin erstmals in diesem
Jahr wieder zu. Bei den jüngsten Zahlen ist aber ein Sondereffekt zu
beachten: Der Vorjahresmonat war auch deshalb relativ schwach
gewesen, weil Kunden vor der nächsten Stufe verschärfter Regeln für
Abgastests ihre Käufe noch vor den September gezogen hatten.

Für VW lief es in der Heimatregion zuletzt ebenfalls wieder besser.
In Westeuropa stiegen die Auslieferungen verglichen mit dem
Vorjahresmonat um 10,3 Prozent. Auch in Zentral- und Osteuropa
(+3,4), im Nahen Osten inklusive Afrika (+7,8) und im wichtigsten
Markt China (+0,9) zogen die Verkäufe an. Probleme gab es dagegen
weiter in Nord- und Südamerika mit minus 5,3 und minus 4,4 Prozent.

Unter den einzelnen Marken konnten besonders Audi und die leichten
VW-Nutzfahrzeuge im September spürbar zulegen, ihnen gelang ein
Auslieferungsplus von 18,4 und 13,3 Prozent. Die Kernmarke VW Pkw
rutschte dagegen um 0,7 Prozent ab. Über den gesamten Zeitraum seit
Jahresbeginn bleiben alle Marken im Minus - bis auf Porsche sowie die
Luxusmarken Bentley, Lamborghini und Bugatti sämtlich zweistellig.

In mehreren europäischen Ländern fördern Regierungen und Industrie
den Autoabsatz mit Kaufprämien oder Steuererleichterungen. Dies
dürfte eine der Ursachen dafür sein, dass im September in den 27
EU-Staaten ein Anstieg der Neuzulassungen um 3,1 Prozent gegenüber
dem Vorjahresmonat herauskam. Rechnet man Großbritannien sowie die
Schweiz, Norwegen, Liechtenstein und Island dazu, waren es plus 1,1
Prozent. In Frankreich, Spanien und dem Vereinigten Königreich ging
es aber abwärts - und die Zwischenbilanz für Europa nach neun Monaten
ist mit einem Rückgang um fast 30 Prozent tiefrot. Der deutsche
Verband VDA warnte: «Die Corona-Pandemie und die Maßnahmen zu ihrer
Eindämmung prägen weiterhin die internationalen Automobilmärkte.»

Bei E- und Hybridfahrzeugen gibt es derweil anhaltende Zuwächse. In
Deutschland hatte im September jeder sechste Neuwagen einen solchen
Antrieb, wie die Beratungsfirma EY unter Berufung auf Daten des
europäischen Branchenverbands Acea erklärte. Hierzulande war demnach
der Renault Zoe das meistverkaufte reine E-Auto. Es folgten das Model
3 von Tesla und der kürzlich gestartete ID.3 von Volkswagen.



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