EU will weiter mit London verhandeln - trotz Johnsons Ansage

16.10.2020 14:41

Brüssel/London (dpa) - Die Europäische Union will weiter mit
Großbritannien über einen Handelspakt nach dem Brexit verhandeln -
obwohl Premier Boris Johnson von einem Scheitern ausgeht. «Wie
geplant wird unser Verhandlungsteam nächste Woche nach London fahren,
um die Verhandlungen zu intensivieren», schrieb
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Freitag auf
Twitter. «Die EU arbeitet weiter an einem Deal, aber nicht zu jedem
Preis.»

Kurz zuvor hatte Premier Johnson gesagt, er gehe von einem harten
Bruch mit der EU ohne Vertrag zum 1. Januar aus. Die EU habe
offenkundig kein Interesse an einem von Großbritannien gewünschten
Freihandelsabkommen wie mit Kanada, sagte Johnson in London.
Dementsprechend erwarte man nun eine Beziehung wie mit Australien,
also ohne Vertrag.

Auch EU-Ratspräsident Charles Michel erklärte trotzdem, man werde
weiter an einem Pakt mit London arbeiten. «Ich hoffe, es wird möglich
sein, eine Lösung zu finden», sagte er zum Abschluss des EU-Gipfels
in Brüssel. Die Beschlüsse des Gipfels hätten weiter Bestand. «Was

gestern richtig war, bleibt auch heute richtig», sagte Michel.

Der EU-Gipfel hatte Großbritannien am Donnerstag aufgefordert, sich
in den Verhandlungen zu bewegen. Konkret geht es um die Punkte
Fischerei, gleiche Wettbewerbsbedingungen und Streitschlichtung bei
Vertragsverstößen. Die EU sei sich hier völlig einig, sagte Michel.

Auch Johnson hat eine Hintertür für weitere Verhandlungen offen
gelassen. Dafür müsse die EU allerdings ihre Haltung ändern, sagte
der Premier in einem im Fernsehen übertragenen Statement.



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