Merkel: Türkisches Verhalten im Gasstreit «provoziert»

16.10.2020 15:10

Brüssel (dpa) - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat das jüngste
Vorgehen der Türkei im Erdgasstreit mit Griechenland und Zypern als
Provokation bezeichnet. «Wir waren uns einig, dass die jüngsten
einseitigen Maßnahmen der Türkei, die natürlich auch provozieren, die

Spannungen jetzt wieder erhöhen, statt sie abzubauen», sagte die
CDU-Politikerin am Freitag nach dem EU-Gipfel in Brüssel. «Ich finde
das sehr bedauerlich, aber eben auch nicht notwendig.» Vielmehr solle
man sich auf die «positiven Aspekte» der gemeinsamen Agenda
konzentrieren.

Auch Ratschef Charles Michel sagte: «Wir bedauern die einseitigen
Aktionen und Provokationen der Türkei.» Die EU-Staaten würden sich
wie geplant bei ihrem Gipfel im Dezember erneut mit dem Thema
befassen. «Aber natürlich beobachten wir die Situation in der Region
Tag für Tag, Woche für Woche sehr genau», sagte Michel. Die
Schlussfolgerungen des EU-Gipfels erinnerten am Freitag an die Anfang
Oktober bekräftigten Sanktionsdrohungen gegen Ankara.

Die Spannungen zwischen der Türkei und den beiden EU-Staaten
Griechenland und Zypern hatten zuletzt wieder deutlich zugenommen.
Griechenland und Zypern werfen der Türkei vor, in Meeresgebieten nach
Erdgas zu suchen, die nach dem internationalen Seerecht nur von ihnen
ausgebeutet werden dürfen. Die Türkei kontert, dass sie das
Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen nicht unterschrieben
habe und die erkundeten Zonen zum türkischen Festlandsockel gehörten.

Die Türkei hatte am Montag angekündigt, das Forschungsschiff «Oruc
Reis» erneut zu seismischen Bodenuntersuchungen in das umstrittene
Seegebiet südlich der griechischen Insel Kastelorizo zu schicken.



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