Weber: Johnson handelt im Brexit-Streit unverantwortlich

18.10.2020 01:01

Berlin (dpa) - Im Brexit-Streit wirft der Vorsitzende der
Christdemokraten im Europaparlament, Manfred Weber, dem britischen
Premierminister Boris Johnson Verantwortungslosigkeit vor. «Das
Schwarze-Peter-Spiel aus London ist pure Show und bringt
niemanden weiter», sagte der CSU-Politiker den Zeitungen der Funke
Mediengruppe (Online Sonntag, Print Montag). «Es ist unverantwortlich
von Premier Johnson, immer noch auf politische Spielchen zu setzen
anstatt endlich in der Sache seriös zu verhandeln.»

Johnson hatte am Freitag nach dem EU-Gipfel erklärt, er stimme sein
Land auf einen harten Bruch ohne Vertrag mit der EU am 1. Januar ein.
Die EU habe offenkundig kein Interesse an einem von Großbritannien
gewünschten Freihandelsabkommen wie mit Kanada. Aus der Downing
Street hieß es, der britische Unterhändler David Frost habe seinen
EU-Kollegen Michel Barnier gebeten, am Montag nicht wie geplant nach
London zu kommen. Beobachter gehen aber davon aus, dass die
Verhandlungen dennoch fortgeführt werden.

Die Europäische Union werde die Integrität ihres Binnenmarktes
niemals aufgeben, sagte Weber dem Blatt. «Jeder, der seine Produkte
bei uns verkaufen will, muss unsere Standards einhalten. Es wird kein
zweites Singapur vor unserer Haustüre geben», so der CSU-Politiker.
Auch werde man keine Verträge mit Partnern abschließen, die
bestehende Verträge nicht ernst nähmen. Dennoch bleibe die EU
verhandlungsbereit, sagte Weber. «Wir wollen ein Abkommen, wir wollen
auch in Zukunft eine enge Partnerschaft.»



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