Weniger Hering und Dorsch - Fischer befürchten schlechte Nachrichten

18.10.2020 06:00

Die Ostseefischer rechnen damit, dass sie im nächsten Jahr erneut
weniger fischen dürfen. Vor allem eine weitere Kürzung der
Heringsquote tut ihnen weh.

Stralsund (dpa) - Die Ostseefischer schauen gebannt nach Luxemburg,
wo wie in jedem Jahr Mitte Oktober die Fangmengen für das kommende
Jahr festgelegt werden. Am Montagabend verhandeln die
EU-Agrarminister über die Ostsee-Fangquoten für 2021. Der Ende August
veröffentliche Vorschlag der EU-Kommission auf Grundlage
wissenschaftlicher Gutachten stößt auf den Widerstand der Fischer.

Demnach ist vor allem der Dorsch weiter sehr gefährdet. 2020 ist die
Fangmenge bereits drastisch eingeschränkt worden. Nun soll sie in der
westlichen Ostsee nochmals um 11 Prozent sinken, in der östlichen
Ostsee um 70 Prozent. «Das ist im Prinzip ein Dorschfangverbot»,
kommentierte Norbert Kahlfuss vom Landesverband der Kutter- und
Küstenfischer das Vorhaben. Die geringe Quote sei ohnehin nur für die
unvermeidlichen Beifänge an Dorsch gedacht gewesen.

Heringe sollen in der westlichen Ostsee 2021 nur noch halb so viele
gefangen werden wie in diesem Jahr, in der mittleren Ostsee 36
Prozent weniger. «Für die Fischer ist das der nächste Nagel für den

Sarg», sagte Kahlfuss. Nur im Rigaischen Meerbusen soll 15 Prozent
mehr Hering gefischt werden dürfen, im Bottnischen Meerbusen genauso
viel wie 2020.

Für den letzten Berufsfischer in Stahlbrode bei Greifswald, Ralph
Krehl, würde die neue Quote bedeuten, statt acht Tonnen Hering in
diesem Jahr nur noch vier Tonnen fangen zu dürfen. «Das ist so gut
wie gar nichts», sagte er. Um seine Verkaufsstelle mit Räucherei und
Imbiss aufrechtzuerhalten, müsste er dann noch mehr Fisch zukaufen.
Seine beiden alten Kutter kann er nicht abwracken, sonst wäre die
Fangquote weg. Zum Fischen fährt er mit einem kleinen Motorboot.

Umweltschützer schlagen vor, die Fischerei in der westlichen Ostsee
einige Jahre ganz einzustellen. Wenn sich die Fischbestände erholt
haben, sollten kleine, handwerkliche Fischer als erste wieder mit
Quoten ausgestattet werden, sagte der Meeresbiologe Thilo Maack von
Greenpeace. «Wenn man die Fischerei in der westlichen Ostsee
zerstören will, lässt man die Situation, wie sie jetzt ist.»



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