Athen gegen Ausdehnung des türkischen Rettungsgebiets in der Ägäis

18.10.2020 10:45

Athen (dpa) - Die Spannungen zwischen der Türkei und Griechenland
haben mit der Ausweitung des türkischen Gebiets zur Seenotrettung
einen neuen Höhepunkt erreicht. Der türkische Verkehr- und
Infrastrukturminister Adil Karaismailoglu veröffentlichte am Samstag
eine Karte, auf der das Zuständigkeitsgebiet der Türkei für Such- und

Rettungsaktionen bis zur Mitte der Ägäis ausgedehnt wird. Damit
erklärt sich Ankara für zuständig, Schiffbrüchigen zu helfen, wenn

diese wenige Seemeilen vor den griechischen Inseln in der Mitte der
Ägäis wie Mykonos, Santorin oder Kreta ein Notsignal senden. Anka
ra
erzeuge damit «Konfusion und setzt Menschenleben Gefahren aus»,
erklärte das griechische Außenministerium am Sonntag.  

Athen erinnerte daran, das sowohl die Internationale
Seeschifffahrtsorganisation (IMO) als auch die Internationale Zivil-
Luftfahrtorganisation (ICAO) seit mehr als 70 Jahren die Such- und
Rettungsaktionen (Search and Rescue) in der Ägäis Griechenland
zugeteilt haben. Die Türkei setze damit «noch ein Thema auf dem
langen Katalog der willkürlichen und illegalen Forderungen in der
Ägäis».

Im östlichen Mittelmeer eskaliert seit Wochen der Streit um dort
vermutete Erdgasvorkommen zwischen den Nato-Mitgliedern Griechenland
und Türkei. Griechenland wirft der Türkei vor, in der Region
griechischer Inseln illegal Vorkommen zu erkunden. Die Regierung in
Ankara weist die Vorwürfe zurück und argumentiert, dass die Gewässer,

in denen probeweise nach Erdgas gebohrt wird, zum türkischen
Festlandsockel gehören. Die EU droht der Türkei bisher folgenlos mit
Sanktionen.   



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