Sofia blockiert Beginn der EU-Beitrittsgespräche mit Nordmazedonien

17.11.2020 17:33

Sofia (dpa) - Bulgarien hat wegen eines Streits mit Nordmazedonien um
Geschichte und Sprache den Beginn der EU-Beitrittsverhandlungen mit
seinem Nachbarland blockiert. «Bulgarien kann auf dieser Etappe den
Entwurf eines Verhandlungsrahmens mit der Republik Nordmazedonien
nicht unterstützen», sagte Außenministerin Ekaterina Sachariewa am
Dienstag in Sofia nach einer EU-Videokonferenz auf Ministerebene.
Drei von Sofia gestellte Bedingungen seien von Nordmazedonien nicht
eingehalten worden, erläuterte Sachariewa.

Die für europäische Angelegenheiten zuständigen EU-Ministerinnen und

Minister hatten am 24. März eine Einigung über die Aufnahme von
Beitrittsverhandlungen mit Albanien und der Republik Nordmazedonien
erzielt. Bulgarien bemängelt nun, dass Skopje einen 2017
unterzeichneten bilateralen Vertrag nicht einhält. Deswegen besteht
Sofia darauf, dass die Einhaltung dieses Vertrages im
Verhandlungsrahmen festgeschrieben werden soll.

Bulgarien sei «immer offen», die Gespräche mit Skopje fortzusetzten
und Lösungen zu finden, betonte die Sachariewa. «Wenn Verhandlungen
geführt werden, sind zwei Seiten notwendig», sagte sie. Die
Ministerin sagte zuvor im bulgarischen Staatsfernsehen: «Die Republik
Nordmazedonien wird dann einen Platz in der Europäischen Union haben,
wenn sie vorbereitet ist. Zu diesem Zeitpunkt befindet Bulgarien,
dass sie nicht vorbereitet ist.»

Bei dem Streit zwischen den beiden Nachbarländern auf dem Balkan geht
es um die teils gemeinsame Geschichte, wobei Bulgarien einen
«Diebstahl von Geschichte» seitens Nordmazedonien beklagt. Zudem
weigert sich Bulgarien, die mazedonische Sprache als eigenständig
anzuerkennen, da Sofia sie für einen bulgarischen Dialekt hält.
Außerdem besteht Bulgarien darauf, dass der neue Name «Republik
Nordmazedonien» in seiner vollen Länge benutzt wird, weil
Nordmazedonien der Teil des geografischen Gebiets Mazedonien sei, der
Teil von Bulgarien sei.

Bulgarien unterstütze den EU-Verhandlungsrahmen mit Albanien, sagte
Außenministerin Sachariewa.



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