Bundesbankpräsident Weidmann skeptisch gegenüber «grüner Geldpoliti k»

19.11.2020 19:13

Frankfurt/Main (dpa) - Der Kampf gegen den Klimawandel obliegt laut
Bundesbankpräsident Jens Weidmann den Regierungen und nicht der
Europäischen Zentralbank (EZB). «Es ist nicht Aufgabe des
Eurosystems, bestimmte Industriezweige zu bestrafen oder zu fördern»,
schreibt Weidmann in einem Gastbeitrag der «Financial Times», der am
Donnerstag vorab veröffentlicht wurde. Er wandte sich damit gegen
Vorschläge, die Anleihekaufprogramme der EZB stärker an «grünen»

Themen auszurichten. Weidmann bestimmt im Rat der EZB über die
Geldpolitik mit.

Damit die Anleihekaufprogramme ihre Wirkung entfalten könnten,
müssten sie breit angelegt sein, schreibt Weidmann. Es gelte der
Grundsatz der Marktneutralität. «Allerdings steht es uns nicht zu,
Marktstörungen, politische Maßnahmen oder Versäumnisse zu
korrigieren.»

Es sei nicht die Aufgabe der Notenbank, die fehlende Entschlossenheit
der Politik beim Thema Klimawandel auszugleichen, so Weidmann. Die
Notenbank besitze keinen «Zauberstab» zu Rettung der Erde. Sie müsse

sich auf ihre vorrangiges Ziel der Preisstabilität konzentrieren.
Dies sei der beste Beitrag, den die Geldpolitik für den Wohlstand
leisten könne.

EZB-Präsidentin Christin Lagarde will hingegen die Geldpolitik laut
jüngsten Aussagen auf den Kampf gegen den Klimawandel ausrichten. Sie
wolle die Geschäfte der Zentralbank - inklusive des
Anleihekaufprogramms - dahingehend prüfen, ob sie den Klimawandel
bekämpften. Die EZB wäre dann die einzige große Notenbank, die mit
einem Anleihekaufprogramm nachhaltige Ziele erreichen will.



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