EU fordert vollen Zugang zu Konfliktgebieten in Äthiopien

09.01.2021 12:03

Brüssel/New York/Addis Abeba (dpa) - Die EU besteht im
Äthiopienkonflikt auf vollen Zugang humanitärer Helfer zu den
betroffenen Gebieten. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell
übermittelte nach eigenen Angaben im Gespräch mit dem
stellvertretenden Ministerpräsidenten von Äthiopien, Demeke Mekonnen,
«dass die EU wegen der Lage in Tigray Alarm schlägt».

«Voller und uneingeschränkter humanitärer Zugang muss gewährt
werden», twitterte Borrell am Samstag. «Das ist keine Forderung der
EU - das ist internationales Recht.» Ähnliche Appelle an die
äthiopische Regierung hat es in den vergangenen Wochen immer wieder
gegeben.

Die Vereinten Nationen schätzen, dass 2,3 Millionen Menschen in
Tigray dringend Hilfe brauchen, darunter 1,3 Millionen wegen des
Konflikts. Die UN und ihre Partner könnten inzwischen Gebiete
erreichen, die zuvor unzugänglich gewesen seien, sagte Stéphane
Dujarric, der Sprecher des UN-Generalsekretärs António Guterres, am
Freitag (Ortszeit). Allerdings sei der Zugang zu den meisten Teilen
des Nordwestens, Ostens und Zentrums Tigrays wegen der «andauernden
Unsicherheit und bürokratischen Hürden» noch immer eingeschränkt.


Die äthiopische Regierung hatte Anfang November eine Offensive gegen
die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) begonnen, die in der
gleichnamigen Region an der Macht war. Hintergrund des Konflikts sind
Spannungen zwischen Tigray und der Zentralregierung. Addis Abeba
hatte zwar die Hauptstadt von Tigray eingenommen und die Offensive
für beendet erklärt, es kommt aber weiterhin zu Kämpfen. Telefon- und

Internetverbindungen wurden während des Konflikts gekappt und noch
immer ist die Kommunikation vielerorts eingeschränkt. Mehr als 50 000
Menschen sind bislang laut UNHCR in das Nachbarland Sudan geflohen
und Tausende sind innerhalb Äthiopiens auf der Flucht.



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