EZB-Projekt digitaler Euro: Öffentliche Anhörung auf der Zielgeraden

11.01.2021 12:59

Kommt der digitale Euro? Wie andere Zentralbanken feilen auch Europas
Währungshüter an einer Alternative zu Bitcoin, Diem und Co. Noch
sammelt die EZB Meinungen zum Pro und Contra eines solchen Projekt.

Frankfurt/Main (dpa) - Die öffentliche Befragung der Europäischen
Zentralbank (EZB) zu einem digitalen Euro stößt nach Angaben der
Notenbank auf großes Interesse. Noch bis einschließlich diesen
Dienstag (12.1.) können sich Bürgerinnen und Bürger, Fachleute aus
Wissenschaft und Finanzsektor sowie Behördenvertreter zum Für und
Wider einer digitalen Version der Gemeinschaftswährung äußern.

Die Befragung läuft seit dem 12. Oktober. Auf Basis der
Konsultationsergebnisse und weiterer interner Arbeiten will die
Notenbank dann gegen Mitte 2021 eine Grundsatzentscheidung dazu
treffen, ob das Projekt eines digitalen Euros weiterverfolgt wird.

Ausdrücklich nicht das Ziel ist es, Schein und Münze abzuschaffen,
wie die Währungshüter bei der Vorstellung des Vorhabens Anfang
Oktober versicherten: «In jedem Fall wird das Eurosystem auch
weiterhin Bargeld ausgeben.» Ein digitaler Euro würde die Auswahl an
Zahlungsmitteln vergrößern.

Zugleich wäre ein digitaler Euro eine Antwort auf
privatwirtschaftliche Initiativen wie Bitcoin oder das maßgeblich von
Facebook getragene Projekt Diem (zuvor: Libra). Der große
Unterschied: Im Gegensatz zu anderen Kryptowährungen stünde ein
digitaler Euro unter Aufsicht einer Zentralbank, die die Stabilität
der Währung sichert.

Auch andere Notenbanken rund um den Globus beschäftigen sich mit
digitalem Zentralbankgeld - und sind zum Teil schon deutlich weiter
als das Eurosystem. Vergleichsweise weit vorangeschritten ist in
Europa das Projekt «E-Krona» der schwedischen Zentralbank, denn in
dem skandinavischen Land wird Bargeld kaum noch genutzt. China
arbeitet schon länger an der digitalen Variante seiner Währung
Renminbi.

Ein digitaler Euro könnte es Privatleuten erlauben, Geld direkt bei
der Zentralbank zu hinterlegen. Diese Möglichkeit steht normalerweise
nur gewerblichen Kreditgebern wie Banken, Regierungen und anderen
Zentralbanken offen. Einige Experten sehen jedoch die Gefahr, dass
dann in Krisenzeiten Bankkunden ihre Ersparnisse fluchtartig von
kommerziellen Banken abziehen und Notlagen so verstärken würden.

«Der digitale Euro ist riskant», schreibt Commerzbank-Chefvolkswirt
Jörg Krämer in einer vor wenigen Tagen veröffentlichten Analyse. Nach

seiner Einschätzung könnte die EZB zum Beispiel digitales
Zentralbankgeld anders als Bargeld mit einem Strafzins versehen «und
so auf den Finanzmärkten noch tiefere Negativzinsen durchsetzen».
Auch der Datenschutz sei ein kritisches Thema, weil sich Bewegungen
des digitalen Euros anders als die von Bargeld aufzeichnen ließen.



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