Chemnitz als Kulturhauptstadt bestätigt - Künftig mehr Transparenz

11.01.2021 18:11

Ein in Verruf geratenes Vergabeverfahren hält die Entscheidung für
Chemnitz als Europäische Kulturhauptstadt 2025 auf. Nun sind sich die
zuständigen Kulturminister einig. Künftig soll mehr Transparenz
helfen. Die Bestätigung stieß in Sachsen auf Erleichterung.

Chemnitz/Berlin (dpa/sn) - Nach einer überraschenden Verzögerung
haben die Kulturminister der Länder die Entscheidung für Chemnitz als
Europäische Kulturhauptstadt doch noch einstimmig bestätigt. Die
Ministerrunde hatte die Jury-Entscheidung im Dezember überraschend
auf Eis gelegt. Erst sollte ein Gespräch mit der Jury-Vorsitzenden
Sylvia Amann über das in die Kritik geratene Vergabeverfahren
erfolgen. Die aufgeworfenen Fragen hätten geklärt werden können, hie
ß
es nach einer Videoschalte am Montag in Berlin. Sachsens
Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) wertete das einstimmige Votum
als «ganz klares Signal», dass alle Bundesländer hinter Chemnitz als

Kulturhauptstadt 2025 stünden.

Betont wurde der Mitteilung zufolge «nachdrücklich, dass Transparenz
und Chancengleichheit unverzichtbare Elemente für einen fairen
Wettbewerb darstellen». Der neue Vorsitzende der Ministerrunde,
Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke), werde sich bei der
Europäischen Kommission für die Stärkung eines transparenten
Auswahlprozesses einsetzen, «um das erfolgreiche EU-Projekt
Kulturhauptstadt Europas zukunftsfest zu machen». In diesem
Zusammenhang sprach sich Klepsch vor Journalisten für eine Frist aus,
innerhalb derer ehemalige Jury-Mitglieder nicht als Berater für
Bewerberstädte für den Titel tätig werden dürfen.

Zur Bewerbung hieß es, Chemnitz habe unter dem Motto «C the Unseen -
European Makers of Democracy» ein überzeugendes Konzept vorgelegt.
Die sächsische Stadt hatte sich Ende Oktober gegen die auf der
Shortlist noch vertretenen Städte Hannover, Hildesheim, Magdeburg und
Nürnberg durchgesetzt. Die entsprechende Empfehlung für Chemnitz
verkündete die europäische Auswahljury. Zuvor waren bereits die
Mitbewerber Dresden, Gera und Zittau ausgeschieden.

Die Bestätigung als Europäische Kulturhauptstadt 2025 durch die
Minister stieß in Sachsen auf Freude und Erleichterung. Auf Twitter
schrieb Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) von einer
«großartigen Chance für diese vielfältige Stadt & für ganz Sachse
n!».

«Wir freuen uns, dass die Kulturministerkonferenz nun auch formal der
Jury-Entscheidung gefolgt ist und wir ohne jeden Zweifel Deutschland
als Europäische Kulturhauptstadt 2025 vertreten dürfen», erklärte d
er
Chemnitzer Oberbürgermeister Sven Schulze (SPD). Seine Stadt wolle
2025 ein guter Gastgeber für Europa sein. Die Vorbereitungen liefen
bereits. Schulze: «Mit der Gründung der GmbH und der breiten
Einbindung der Bevölkerung bereits im Bewerbungsprozess haben wir
eine hervorragende Basis, mit der wir jetzt den Spielplan für das
gesamte Jahr 2025 entwickeln wollen.»

Die zweite Europäische Kulturhauptstadt 2025 stellt Slowenien.
Jüngste Europäische Kulturhauptstadt aus Deutschland war Essen mit
dem Ruhrgebiet (2010). Ausgezeichnet wurden davor auch schon Weimar
(1999) und West-Berlin (1988).

«Chemnitz wird damit zu einem kulturellen Aushängeschild Deutschlands
mit nationaler, europäischer und internationaler Strahlkraft», sagte
Lederer. Aus Sicht Klepschs hat Chemnitz «eine tolle Bewerbung
hingelegt». Nun sei es wichtig, diesen Schwung zu nutzen.

Die Entscheidung der Länder muss noch von Kulturstaatsministerin
Monika Grütters (CDU) bekräftigt werden. Anschließend werden die
zuständigen EU-Stellen durch das Auswärtige Amt informiert.



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