Griechenland plädiert für EU-Impfpass

12.01.2021 16:59

Athen (dpa) - Gegen Covid-19 geimpfte EU-Bürger sollen nach Ansicht
der griechischen Regierung einen EU-weit gültigen Impfpass erhalten -
dafür hat sich der griechische Premier Kyriakos Mitsotakis in einem
Brief an die EU-Kommission eingesetzt. Es sei dringend notwendig, ein
gemeinsames Verständnis darüber zu etablieren, wie solch ein
Impf-Zertifikat strukturiert sein müsse, so dass es von allen
EU-Staaten akzeptiert werde, hieß es in dem Schreiben, das am
Dienstag von der griechischen Tageszeitung «Kathimerini»
veröffentlicht wurde.

Mitsotakis betonte, dass Griechenland die Impfung nicht zur Pflicht
oder Voraussetzung für Reisen machen werde. Aber: «Die Personen, die
geimpft sind, müssen frei reisen dürfen.» Das könne auch ein
positiver Anreiz sein, sich impfen zu lassen, was wiederum der
einzige Weg sei, um zur Normalität zurückzukehren. Die EU-Staats- und
Regierungschefs hatten sich bereits bei ihrem Gipfel im Dezember
darauf verständigt, dass «ein koordinierter Ansatz für
Impfbescheinigungen» entwickelt werden solle.

Ein Sprecher der EU-Kommission bestätigte den Eingang des Briefes am
Dienstag. Die in dem Schreiben aufgeworfenen Punkte sowie andere
Fragen im Zusammenhang mit Impfungen würden im Europäischen Rat der
Staats- und Regierungschefs diskutiert. Kanzlerin Angela Merkel und
ihre EU-Kollegen beraten kommende Woche am Donnerstag erneut über die
Corona-Koordinierung der EU-Staaten.

Für Griechenland wäre ein EU-Impfpass vor allem deshalb sinnvoll,
damit in diesem Jahr wieder mehr Touristen ins Land kommen. In den
ersten neun Monaten des Jahres 2020 war der wichtige Wirtschaftszweig
wegen Corona laut griechischem Tourismus-Institut Insete stark
eingebrochen. So seien rund 5 Millionen internationale Flugankünfte
verzeichnet worden - gegenüber 18,8 Millionen Ankünften im
Vorjahreszeitraum ein Rückgang von 73,4 Prozent.

Für Athen gilt es dabei, mehr Touristen, aber damit nicht auch mehr
Corona ins Land zu holen. Griechenland hat die Lage bisher durch
strenge Maßnahmen vergleichsweise gut im Griff - das Land mit seinen
11 Millionen Einwohnern verzeichnet aktuell täglich nur um die 500
Neuinfektionen. Dennoch war der notleidende Gesundheitssektor
zeitweise bereits stark unter Druck geraten.



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