Hilfsorganisationen kritisieren Ergebnis der Syrien-Geberkonferenz

31.03.2021 16:36

Brüssel (dpa) - Die Hilfsorganisation Oxfam hält das Ergebnis der
jüngsten internationalen Geberkonferenz für die Leidtragenden des
Syrien-Konflikts für unzureichend. Der zugesagte Betrag bestätige die
Befürchtung, dass die Appelle der vom Bürgerkrieg betroffenen
Menschen nicht gehört würden, kommentierte der für Syrien zuständig
e
Oxfam-Direktor Moutaz Adham. Zwar möge die Gewalt in dem Land zum
Teil zurückgegangen sein, Millionen Syrer kämpften in ihrer Heimat
und der Region aber noch immer um ihr Überleben und seien mit den
Folgen der Corona-Pandemie, zunehmender Arbeitslosigkeit und einem
Zusammenbruch der Wirtschaft konfrontiert. Oxfam und zahlreiche
weitere Organisationen kritisierten die Ergebnisse am Mittwoch auch
in einem Schreiben.

Bei der von der EU und den Vereinten Nationen organisierten
Online-Geberkonferenz hatten die Teilnehmer am Dienstag 5,3
Milliarden Euro zugesagt, um die katastrophalen Folgen des
Syrien-Konflikts abzumildern. Dies waren rund 1,6 Milliarden Euro
weniger als bei der Konferenz 2020, obwohl zum Beispiel allein
Deutschland 1,7 Milliarden Euro versprach und damit die höchste Summe
seit vier Jahren.

Man begrüße Zusagen der Länder, die ähnlich viel oder mehr Mittel
zugesagt hätten, heißt es in einem Schreiben von elf Organisationen
wie Aktion gegen den Hunger, Save the Children und CARE Deutschland,
das mehr als 35 nationale und internationale Organisationen
unterschrieben haben. «Es ist aber außerordentlich enttäuschend, dass

zwei große Geber, Großbritannien und die USA, der Not der Menschen in
Syrien den Rücken kehren. Dies wird verheerende Auswirkungen auf ihr
Leben haben», warnten die Helfer.

Die humanitäre Lage im Land habe sich massiv verschlechtert, mahnte
auch die Welthungerhilfe angesichts des «enttäuschenden» Ergebnisses.

«Die Aussichten für 2021 sind düster», sagte Syrien-Koordinator
Konstantin Witschel. Benötigt würden umgerechnet rund 8,5 Milliarden
Euro für das Jahr 2021.

Mit dem bei der Online-Konferenz gesammelten Geld sollen unter
anderem Nahrungsmittel, medizinische Hilfen und Schulbildung für
Kinder finanziert werden. Es wird über Hilfsorganisationen direkt
nach Syrien fließen oder Ländern in der Region zugute kommen, die
viele Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland aufgenommen haben. Allein
die Türkei beherbergt nach eigenen Angaben rund 3,7 Millionen
Menschen aus dem Nachbarstaat.

In Syrien selbst litten nach UN-Angaben zuletzt 12,4 Millionen
Menschen und damit fast 60 Prozent der Bevölkerung unter Hunger. Der
Konflikt in dem Land dauert mittlerweile seit dem Jahr 2011 an. Zwar
ist die Gewalt zuletzt zurückgegangen, doch bei den Bemühungen um
eine politische Lösung gibt es derzeit keine nennenswerten
Fortschritte.



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