Deutschland und andere Länder verfehlen EU-Ziel für Ende März Von Michel Winde, dpa

31.03.2021 15:34

Die Ältesten sollten möglichst schnell gegen das Coronavirus geimpft
werden. Deshalb rief die EU-Kommission im Januar ein ehrgeiziges Ziel
aus. Es wurde krachend verfehlt.

Brüssel (dpa) - Deutschland und viele andere Länder haben das
EU-Impfziel für Menschen über 80 Jahre nach jüngsten Daten verfehlt.

Ziel der EU-Kommission war, dass mindestens 80 Prozent dieser
Altersgruppe bis Ende März gegen das Coronavirus geimpft sind.
Gemeldete Daten aus deutschen Bundesländern liegen nach Angaben des
Robert Koch-Instituts aber deutlich darunter. Auch EU-weit wird diese
Quote nach Angaben der Gesundheitsbehörde ECDC bei weitem nicht
erreicht.

Wie das RKI am Mittwoch (31. März) auf Anfrage der Deutschen
Presse-Agentur mitteilte, liegt der Wert für die Erstimpfung bei
Menschen über 80 Jahre zwischen 59 Prozent für die Region Nordrhein
in NRW und 79,5 Prozent für Schleswig-Holstein. Vollständig mit zwei
Impfdosen geschützt sind in dieser Gruppe noch viel weniger Menschen
- zwischen 26 Prozent in Schleswig Holstein und 47 Prozent in
Niedersachsen. Eine bundesweite Impfquote gebe es bei dieser
Altersgruppe nicht, da die Daten nur aus neun Bundesländern vorlägen,

hieß es.

Mitte Januar hatte die EU-Kommission von Ursula von der Leyen ihre
Ziele gesetzt. Bis März sollten die EU-Staaten demnach mindestens 80
Prozent des Personals in Gesundheits- und Sozialberufen und der über
80-Jährigen impfen; bis Sommer sollten es mindestens 70 Prozent der
Erwachsenen sein. Kanzlerin Angela Merkel spricht davon, dass allen
Bürgern in Deutschland bis Ende Sommer ein Impfangebot gemacht werden
solle. Genügend Impfstoff für das März-Ziel sei an die EU-Staaten
geliefert worden, betonte eine Sprecherin der EU-Kommission bereits
am Dienstag.

«Die Erreichung dieser beiden Ziele würde in einem ersten Schritt zu
einer geringeren Zahl von Todesfällen und Krankenhauseinweisungen und
zu einer Entlastung der Gesundheitssysteme führen sowie die
Voraussetzungen für eine Herdenimmunität in Europa schaffen», hieß
es
im Januar von der EU-Kommission. Dabei betonte die Brüsseler Behörde
auch, dass es «sowohl aus Gründen des Gesundheitsschutzes als auch
des Binnenmarkts» wichtig sei, die Impfanstrengungen in Europa
aufeinander abzustimmen. Erste Daten deuteten damals auf erhebliche
Unterschiede in den EU-Staaten hin.

Dieser Trend bestätigt sich nun. Nach jüngsten ECDC-Daten haben
EU-weit knapp 60 Prozent der über 80-Jährigen die erste Impfdosis
bekommen, vollständig wurde nur jeder Dritte geimpft. Doch melden
einige EU-Staaten - darunter auch Deutschland - die Daten nicht
aufgeschlüsselt nach Altersgruppe an die EU-Behörde.

Mit Blick auf den gesamten Impfschutz mit zwei Spritzen wurde das
EU-Ziel den Daten zufolge in keinem Mitgliedsland erreicht. Es führen
Malta (knapp 70 Prozent), Dänemark (52) und Slowenien (47).
Schlusslichter sind Bulgarien (0,7 Prozent) und Lettland (0,6). In
beiden Ländern herrscht Impfstoffknappheit, weil Astrazeneca deutlich
im Lieferverzug ist. In Bulgarien haben die über 80-Jährigen auch
nicht Vorrang beim Impfen. Bei der Erstimpfung haben Malta, Irland,
Schweden und Finnland das 80-Prozent-Ziel erreicht. Portugal und
Dänemark liegen knapp drunter.

Vom Personal in Gesundheitsberufen wurden im Schnitt 60 Prozent
zumindest einmal geimpft. Allerdings werden diese Daten nur von 13
EU-Staaten ans ECDC gemeldet. Die EU-Behörde betont, dass die Daten
der aktuellen Woche stets mit Vorsicht zu betrachten seien und
nachträglich noch verändert werden könnten. Auch dem RKI liegen für

Deutschland keine Daten für das Personal in Gesundheits- und
Sozialberufen vor.

Die EU-Staaten hatten sich bei ihrem Videogipfel im Januar
ausdrücklich hinter das Ziel für den Sommer gestellt, wie von der
Leyen und EU-Ratschef Charles Michel damals deutlich machten. Zur
Vorgabe für Ende März äußerten beide sich nicht ausdrücklich.



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