Impfstoffstreit: EU-Staaten suchen erneut nach Kompromiss

01.04.2021 10:56

Brüssel (dpa) - Im erbitterten Streit um Corona-Impfstoffe haben die
EU-Staaten am Donnerstag erneut nach einer Lösung gesucht. Die
Botschafter der Mitgliedsstaaten berieten in Brüssel einen
Kompromissvorschlag zur Verteilung von zehn Millionen Impfdosen, die
besonders bedürftigen Staaten helfen sollen. Österreich, Tschechien
und Slowenien hatten allerdings noch Vorbehalte.

Österreichs Kanzler Sebastian Kurz hatte zusammen mit weiteren
EU-Staaten eine ungleiche Verteilung der Impfstoffe unter den 27
Mitgliedern beklagt. Daraufhin beauftragte der EU-Gipfel vorige Woche
die EU-Botschafter, eine vorgezogene Lieferung von zehn Millionen
Biontech/Pfizer-Dosen so aufzuteilen, dass Löcher gestopft werden.

Der portugiesische Vorsitz schlug vor, drei der zehn Millionen
Impfdosen für sechs besonders bedürftige Länder zu reservieren,
nämlich Bulgarien, Kroatien, Estland, Lettland, die Slowakei und
Tschechien. Die übrigen sieben Millionen Impfdosen sollen wie üblich
nach Bevölkerungsanteil unter allen 27 Staaten verteilt werden.

Österreich würde demnach nicht besonders berücksichtigt. Kurz trifft

mit seinen Nachforderungen auf wenig Verständnis bei den EU-Partnern,
da sein Land bereits eine relativ hohe Impfquote hat. Ein EU-Diplomat
kritisierte am Donnerstag: «Es ist schon paradox und ein wenig
traurig: Jetzt hat Kanzler Kurz genau den Basar geschaffen, vor dem
er ursprünglich gewarnt hat.»

Die ungleiche Verteilung kam dadurch zustande, dass nicht alle
Regierungen die ihnen zustehenden Mengen der von Brüssel zentral
beschafften Impfstoffe abgenommen hatten. Grundsätzlich hat jeder der
27 Staaten Anspruch auf einen Anteil nach Bevölkerungsstärke. Schöpft

ein Land dies nicht aus, können andere EU-Staaten diese Mengen
aufkaufen. Einige Regierungen setzten besonders auf Astrazeneca und
sind nun wegen Lieferproblemen im Hintertreffen. Österreich bestellte
weniger von Johnson & Johnson und befürchtet deshalb Lücken.



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