EU-Behörde EMA will sich in Kürze zu Astrazeneca-Risiken äußern

06.04.2021 15:15

Rom (dpa) - Ein hoher Vertreter der EU-Arzneimittelbehörde EMA hat
eine baldige Stellungnahme seiner Behörde zu möglichen
Thrombose-Risiken bei Corona-Impfungen mit dem Präparat von
Astrazeneca angekündigt. Dabei warnte der Chef der EMA-Impfabteilung,
Marco Cavaleri, in dem am Dienstag veröffentlichten Interview der
italienischen Zeitung «Il Messaggero» vor zu hohen Erwartungen an
EMA-Vorgaben. Die Bewertung laufe noch. Zugleich sagte Cavaleri, dass
es nach seiner eigenen Einschätzung einen noch nicht genauer
bestimmten Zusammenhang zwischen Vorfällen mit Blutgerinnseln im
Gehirn und den Astrazeneca-Impfungen gebe.

«Meiner Meinung nach können wir inzwischen sagen, dass es einen
Zusammenhang mit dem Impfstoff gibt. Was diese Reaktion auslöst,
wissen wir aber noch nicht», sagte Marco Cavaleri der Zeitung. Das
Nutzen-Risiko-Verhältnis spreche dennoch weiter für den Impfstoff.

«Unsere Bewertung ist noch lange nicht abgeschlossen», erläuterte
Cavaleri. Er erwarte kaum, dass die EMA diese Woche «so weit kommt,
wie es verschiedene Länder getan haben, Altersgrenzen festzulegen».
Mitte März hatte die EMA, die ihren Sitz in den Niederlanden hat,
erklärt, es gebe keine Hinweise, dass die Impfungen die
Thrombose-Vorfälle verursacht hätten. Da das aber auch nicht
ausgeschlossen sei, liefen Untersuchungen.

Auch Ende März hatte sich EMA-Chefin Emer Cooke gegen Beschränkungen
ausgesprochen. Eine aktualisierte Empfehlung der EMA sei für die
Sitzung ihres Sicherheitsausschusses vom 6. bis 9. April zu erwarten,
hieß es da. Die EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides schrieb
auf Twitter, am Mittwoch sei mit einer EMA-Bewertung zu rechnen.

In Deutschland hatten Bund und Länder Ende März nach einer Empfehlung
der Ständigen Impfkommission (Stiko) beschlossen, Astrazeneca in der
Regel nur noch für Menschen ab 60 Jahre einzusetzen. Hintergrund
waren seltene Fälle von Blutgerinnseln (Thrombosen) in Hirnvenen.
Zuvor hatte es eine mehrtägige Impfpause gegeben, Mitte März waren
Astrazeneca-Impfungen nach Überprüfungen dann wieder angelaufen.

Auch die britische Arzneimittelbehörde untersucht Fälle von
Hirnthrombosen nach einer Impfung mit dem Astrazeneca-Präparat, wie
die Medicines and Healthcare Regulatory Agency (MHRA) am Dienstag
mitteilte. Zuvor hatte es einen Medienbericht gegeben, wonach die
Behörde erwägt, das Präparat nicht mehr für unter 30-Jährige zu
empfehlen. MHRA-Chefin June Raine betonte jedoch, eine regulatorische
Entscheidung sei noch nicht gefallen.



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