EU-Kommissar Breton: Sputnik V kann nicht kurzfristig helfen

08.04.2021 10:43

Brüssel (dpa) - Der russische Corona-Impfstoff Sputnik V kann nach
Einschätzung des Impfstoff-Beauftragten der EU-Kommission, Thierry
Breton, nicht kurzfristig helfen bei der Impfkampagne der
Europäischen Union. Auf die Frage, ob Präparate etwa aus Russland
oder China dazu beitragen könnten, bis zum Sommer 70 Prozent der
Erwachsenen in der EU zu impfen, schrieb der Franzose am Donnerstag
in einem Blog-Eintrag: «Ich fürchte, die Antwort ist nein.»

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kündigte am Donnerstag
gleichwohl bilaterale Gespräche mit Russland über eventuelle
Sputnik-Lieferungen an. Dabei betonte er jedoch: «Um wirklich einen
Unterschied zu machen in unserer aktuellen Lage, müsste die Lieferung
schon in den nächsten zwei bis vier, fünf Monaten kommen - ansonsten
haben wir so oder so mehr als genug Impfstoff.» Bislang hatte
Deutschland bei der Impfstoffbeschaffung auf die EU-Ebene gesetzt.
Noch Ende März hieß es mit Blick auf Sputnik aus Regierungskreisen:
«Wir sind der Meinung, dass das wieder über das europäische System
erfolgen soll.» Man habe die EU-Kommission dazu aufgefordert, sich
dieser Frage anzunehmen.

Breton betonte nun, dass er zwar keinen Grund habe, an der
Effektivität, Sicherheit und Qualität jener Impfstoffe zu zweifeln,
die außerhalb der EU entwickelt worden seien. Dies zu bewerten sei
jedoch Sache der Europäischen EU-Arzneimittelbehörde EMA. Jedes
Unternehmen, das einen neuen Impfstoff produzieren wolle, brauche
aber mindestens zehn Monate. Deshalb müsse man sich auf die
Produktion jener Impfstoffe konzentrieren, die in der EU bereits
zugelassen oder kurz davor sind.

Die EMA hatte Anfang März ein Prüfverfahren für Sputnik V im Rahmen
einer Rolling Review begonnen. Dabei werden Testergebnisse bereits
geprüft, auch wenn noch nicht alle Daten vorliegen und noch kein
Zulassungsantrag gestellt wurde.

Breton zeigte sich jedoch optimistisch, dass es auch ohne Impfstoffe
wie Sputnik V bis Ende Juni genügend Dosen in der EU gibt, um etwa 70
Prozent der Erwachsenen zu impfen. Im ersten Quartal seien 108
Millionen Dosen geliefert worden, für das zweite Quartal rechne er
mit 360 Millionen weiteren. Die EU-Staaten müssten Massen-Impfungen
und Kampagnen organisieren, um die Bürger davon zu überzeugen, sich
impfen zu lassen. Er sei optimistisch dass es bald etwas Normalität
geben werde und die Europäer einen Sommer ähnlich wie im vergangenen
Jahr erleben würden.



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