Montanunion
15.04.2011 09:45
Berlin (dpa) - Die Montanunion war nach dem Zweiten Weltkrieg ein
erster Schritt zur heutigen Europäischen Union. Am 18. April 1951
schlossen sich Deutschland, Frankreich, Italien und die
Beneluxstaaten zur Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl
(EGKS) zusammen, wie die Montanunion (Latein: mons - der Berg)
offiziell hieß. Der damals unterzeichnete Vertrag trat 1952 in
Kraft. Er regelte für 50 Jahre einen gemeinsamen Markt für die
Kohle- und Stahlindustrie. Durch die Gründung der EGKS gaben die
Länder erstmals nationale Hoheitsrechte auf eine internationale
Behörde ab.
Der französische Außenminister Robert Schuman leitete 1950 die
Gemeinschaft mit dem Vorschlag ein, die deutsche und französische
Schwerindustrie gemeinsam zu verwalten. Der Bereich der
Schwerindustrie war wichtig für die Friedenspolitik des vom Krieg
zerstörten Europas: Durch die gemeinsame Kontrolle der Stahlbranche
konnte ein Land nicht unbemerkt aufrüsten. Bundeskanzler Konrad
Adenauer (CDU) sah in der EGKS für Deutschland einen wichtigen
Schritt, um sich mit den anderen Staaten auszusöhnen.
Mit der 1957 ins Leben gerufenen Europäischen
Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) weiteten die Mitgliedsstaaten die
Zusammenarbeit auf die gesamte Wirtschaft aus. Aus der EWG
entwickelte sich später die Europäische Gemeinschaft und schließlich
die Europäische Union. Als der EGKS-Vertrag 2002 auslief, wurden
seine Bestandteile EU-Recht.
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