EU-Terrorexperte: Rund 400 «Einsame Wölfe» in der EU

22.03.2012 18:05

Brüssel (dpa) - Nach Einschätzung des obersten
Terrorismus-Experten der EU, Gilles de Kerchove, leben rund 400 von
Al-Kaida ausgebildete Extremisten in der EU. «Wir nennen dieses
Phänomen "Einsame Wölfe"», sagte der EU-Koordinator für die
Terrorbekämpfung am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in
Brüssel. «Wir können davon ausgehen, dass es in ganz Europa um die
400 sind.» Die meisten würden sich in Deutschland, Frankreich,
Großbritannien, aber auch in Belgien aufhalten.

Ebenso wie der 23-Jährige Mohamed Merah aus Toulouse, der eine
kriminelle Karriere hinter sich hatte, würden diese Verdächtigen
«natürlich von den europäischen Geheimdiensten überwacht», sagte
de
Kerchove. Das Phänomen trete immer häufiger auf, da der Kern der
Terrororganisation in den vergangenen drei bis vier Jahren geschwächt
worden sei und immer mehr Extremisten nach Europa ausweichen würden.

Merah hatte nach eigenen Angaben in den vergangenen Tagen in
Toulouse und Montauban sieben Menschen erschossen. Am Donnerstag
wurde er bei einem Polizeieinsatz getötet.

Als Gegenmaßnahmen setzt de Kerchove auf schärfere Gesetze, die
Reisen zur Ausbildung in Terrorcamps unter Strafe stellen. Auch die
Auswertung der Daten von Flugpassagieren würde helfen. Zudem sollten
die EU-Regierungen besser vorsorgen und zum Beispiel mehr
Informationen austauschen, islamistische Webseiten überwachen und
radikale Tendenzen in Gefängnissen aufspüren.

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